650 Millionen Dollar aus Iran: Der angebliche Assistent von Mohammad Bagher Zolghadr

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650 Millionen US-Dollar, heimlich über diplomatische Kanäle aus Iran geschafft und nun auf einem Treuhandkonto in China geparkt: Für dieses kleine internationale Finanzproblem sucht ein angeblicher persönlicher Assistent des iranischen Politikers Mohammad Bagher Zolghadr ausgerechnet einen völlig fremden E-Mail-Empfänger. Als Dankeschön winken 30 Prozent – also bescheidene 195 Millionen Dollar. 💰

Die Nachricht greift reale Namen und aktuelle politische Ereignisse auf. Das macht ihre Geschichte aber nicht glaubwürdig, sondern ist nur eine zeitgemäße Kulisse für einen klassischen Vorschussbetrug.

Die E-Mail von ahmadmustazafin@gmail.com

Der Absender verwendet den Namen Ahmad Mustazafin und schreibt von ahmadmustazafin@gmail.com. Ob hinter dem Postfach tatsächlich eine Person dieses Namens steckt, ist nicht belegt. Die vollständige Nachricht lautet:

Dear Friend,

I do not mean to intrude into your life, but to present an opportunity for both of us to benefit. I am sorry if this may offend you, but it is not intended to do so. I am the personal assistant to Mohammad Bagher Zolghadr, Iran’s new top security official, after Larijani’s assassination. My name is Ahmad Mustazafin. As it is known, there is a war raging in Iran with the US and Israel. Iran is currently decimated, most officials and defecting, while many have fled Iran. The fall of the regime is a matter of time. Hence, I am writing you this message.

The proposition I have in mind to discuss with you has to do with finance. With a diplomatic contact, I was able to move out the sum of USD650,000,000.00 using a diplomatic channel. The good news is that the funds successfully arrived in a Chinese bank, and deposited in an escrow bank account awaiting further instruction from me.

Please this is highly confidential and should not be discussed with anyone for security reasons. I need your consent in order to lay claim to the funds and then transfer the funds to Europe or to any bank account of your choice. All I need is your trust… With your consent, I will direct you to the Chinese bank for the process of transferring the funds in your name to a bank account bearing your name. If you agree, I will forward your name to the bank as the beneficiary.

I will offer you 30% of the total sum for your participation, we will use 10% to offset any cost incurred in the course of the transaction; while 60% belongs to me.

Currently, I am in Iran and can only communicate only through email. However, after we have agreed, I will direct you to the Chinese bank in order to commence the deal.

I guarantee you that this will be executed under a legitimate arrangement that will protect you from any breach of Law and is 100% Risk Free Venture. Please, keep these offers safe, secret and confidential.

I urgently, wait for your reply in ahmadmustazafin@gmail.com.

Regards

Ahmad Mustazafin

Eine kleine Besonderheit: Absender und angebliche Antwortadresse sind identisch. Der doppelte Hinweis auf ahmadmustazafin@gmail.com dürfte vor allem dafür sorgen, dass die Nachricht auch dann noch funktioniert, wenn sie weitergeleitet oder aus einer anderen Absenderadresse verschickt wird.

Reale Schlagzeilen als Kulisse

Mohammad Bagher Zolghadr ist keine Erfindung. Er wurde im März 2026 nach der Tötung Ali Larijanis zum Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats ernannt. Die Scam-Mail greift diesen realen Hintergrund auf – liegt mit der Bezeichnung als neuer Sicherheitschef inzwischen aber hinter der Nachrichtenlage zurück: Bereits im August 2026 wurde Zolghadr durch Mohsen Rezaei ersetzt. Das berichteten unter anderem Associated Press und Reuters.

Für eine Verbindung zwischen dem Gmail-Absender und Zolghadr gibt es dagegen keinerlei Beleg. Der verwendete Name Ahmad Mustazafin, die behauptete Rolle als persönlicher Assistent und die gesamte Geldgeschichte sind unbestätigte Angaben des Absenders. Der reale Politiker ist nach den vorliegenden Indizien nicht Urheber dieser Nachricht; sein Name dient lediglich als Legende für den Betrugsversuch.

195 Millionen Dollar für ein bisschen Vertrauen

Die Rechnung ist schnell gemacht:

  • 30 Prozent für Hugo: 195 Millionen Dollar
  • 10 Prozent für angebliche Kosten: 65 Millionen Dollar
  • 60 Prozent für den Absender: 390 Millionen Dollar

Warum jemand, der 650 Millionen Dollar bereits erfolgreich über diplomatische Kanäle bis zu einer chinesischen Bank bewegt haben will, für den letzten Schritt plötzlich einen zufälligen Fremden aus dem Internet braucht, verrät die Mail nicht. Dafür garantiert sie gleich mehrfach Geheimhaltung, Legalität und ein „100% Risk Free Venture“. Das ist ungefähr so belastbar wie ein selbst gemalter TÜV-Stempel auf einer Banane. 🍌

So soll der Vorschussbetrug funktionieren

Das Muster ist als Vorschussbetrug oder Advance Fee Fraud bekannt: Eine enorme Geldsumme soll angeblich übertragen werden, das Opfer darf einen absurden Anteil behalten und wird zunächst um Zustimmung gebeten. Im weiteren Verlauf folgen erfahrungsgemäß persönliche Daten, Ausweiskopien, Bankangaben und schließlich angebliche Steuern, Anwaltskosten oder Freigabegebühren.

Die Verbraucherzentrale beschreibt genau diesen Ablauf: Nach dem Vertrauensaufbau kommen oft gefälschte Dokumente und immer neue Vorauszahlungen. Das versprochene Vermögen existiert nicht; real ist nur das Geld, das die Betroffenen verlieren.

Hier liefert die Mail bereits das Drehbuch für die nächsten Figuren mit: Der Absender will Hugo an eine angebliche chinesische Bank „weiterleiten“. Dort dürfte dann ein vermeintlicher Bankmitarbeiter auftreten, der das Treuhandkonto bestätigt und für dessen Freigabe überraschenderweise erst einmal echtes Geld benötigt.

Die Warnzeichen

  • Ein Unbekannter verspricht 195 Millionen Dollar für nahezu keine Leistung.
  • Ein angeblicher Mitarbeiter eines Spitzenpolitikers nutzt ein gewöhnliches Gmail-Postfach.
  • Die nicht näher benannte „chinesische Bank“ hat weder einen Namen noch eine überprüfbare Anschrift.
  • Das Geld soll über Hugos persönliches Konto laufen.
  • Der Absender verlangt strikte Geheimhaltung und will damit unabhängige Nachfragen verhindern.
  • Die Formulierungen „legitimate“, „100% Risk Free“ und „I guarantee“ sollen Zweifel ersetzen, nicht beantworten.
  • Die politische Geschichte ist bereits veraltet: Zolghadr ist seit August 2026 nicht mehr Chef des Sicherheitsrats.

Was tun bei einer solchen Nachricht?

Wer eine vergleichbare Mail erhält, sollte nicht antworten, kein Geld überweisen und weder persönliche Daten noch Ausweiskopien oder Bankverbindungen verschicken. Die Nachricht gehört in den Spam-Ordner, der Absender sollte blockiert werden.

Wurden bereits Daten oder Geld übermittelt, sollten Betroffene sämtliche Nachrichten und Zahlungsbelege sichern, unverzüglich ihre Bank kontaktieren und Strafanzeige erstatten. Weitere Forderungen sollten keinesfalls bezahlt werden. Auch eine angeblich letzte kleine Gebühr bleibt Teil derselben Masche.

Hugo kann sein Glück kaum fassen

Hugo hingegen ist selbstverständlich beeindruckt. 195 Millionen Dollar sind schließlich eine Menge Geld – selbst wenn man davon vermutlich erst einmal einen neuen Reisepass und einen sehr großen Taschenrechner kaufen muss. Sein Englisch ist nicht ganz auf dem Niveau internationaler Diplomatenfinanzierung, aber für ein chinesisches Treuhandkonto wird es schon reichen:

Dear Mister Ahmad,

thank you for this very good offer. 195 million dollar for me is very much money and I like to help you. I am trustful man and I tell nobody about secret.

But I not understand why Chinese bank give the money to me when they not know me. Must I travel to China? My passport is old and I am little afraid of flying.

Please explain me what I must do. Is there any cost before the money comes? I have not much money now, only after your 650 millions arrive.

Best greetings
Hugo

Damit liegt der Ball wieder bei „Ahmad“. Nun darf der angebliche Assistent erklären, weshalb eine unbekannte chinesische Bank 650 Millionen Dollar an Hugo auszahlen soll – und welche wundersame Gebühr den Geldregen vorher vermutlich noch aufhält. Wir lassen den Fall offen und warten auf die nächste Folge aus der diplomatischen Millionenabteilung. 🐫

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