Warren Buffett verschenkt 2,5 Millionen Dollar – per Gmail

Inhalt

Warren Buffett möchte uns 2.500.000 US-Dollar schenken. Nicht wegen einer besonderen Leistung, einer langjährigen Freundschaft oder wenigstens eines überzeugenden Lottoscheins. Unsere E-Mail-Adresse wurde einfach bei einer „Internetrecherche“ ausgewählt. So unkompliziert kann Vermögensaufbau sein. 💰

Die erste E-Mail von klausrosenfeldcharity@gmail.com

Der angebliche Milliardär schreibt von klausrosenfeldcharity@gmail.com, bittet aber um eine Antwort an warrenbuffetcharityfx@gmail.com. Zwei Gmail-Adressen, kein offizieller Kontaktweg und beim Namen Buffett fehlt in der zweiten Adresse sogar ein „t“ – die internationale Großspende beginnt erfreulich bodenständig.

Referenznummer: WBCF/XGMM/001015/0026. Herzlichen Glückwunsch, Ihre E-Mail-Adresse wurde im Rahmen einer Internetrecherche zufällig ausgewählt, um 2.500.000,00 USD von mir – dem Vorsitzenden und CEO von Berkshire Hathaway – zu erhalten. Bei Interesse antworten Sie bitte umgehend per E-Mail an { warrenbuffetcharityfx@gmail.com }, um mehr über die Spende und deren Inanspruchnahme zu erfahren.

Das Muster ist klassisch: eine enorme Summe, eine angeblich zufällige Auswahl und die Aufforderung, den Kontakt auf einer anderen Adresse fortzusetzen. Das Aktenzeichen darf dabei natürlich nicht fehlen – Buchstaben und Schrägstriche sind schließlich fast so überzeugend wie echtes Geld.

Unsere kurze Rückfrage

Wir wollten Warren nicht mit unnötiger Bürokratie belasten und antworteten knapp:

Häh? Wie kann das sein?

Erstaunlicherweise reichte diese präzise finanzwirtschaftliche Analyse aus. Kurz darauf meldete sich die angebliche Spendenabteilung und bestätigte die Auswahl.

Vor den Millionen kommt die Verifizierung

📄 Die vollständige Antwort der angeblichen Spendenabteilung

Sehr geehrte(r) Gewinner(in),

bezugnehmend auf Ihre vorherige E-Mail möchten wir bestätigen, dass Ihre E-Mail-Adresse im Rahmen eines Zufallsverfahrens ausgewählt und in den Kreis der Empfänger aufgenommen wurde.

Bitte seien Sie versichert, dass vor der Einleitung weiterer Schritte bezüglich der Gelder ein Verifizierungsverfahren erforderlich ist, um sicherzustellen, dass Sie der rechtmäßige Inhaber der ausgewählten E-Mail-Adresse und der vorgesehene Empfänger sind.

In unserer nächsten Mitteilung werden wir Ihnen weitere Anweisungen zu den für die Verifizierung benötigten Informationen geben. Sobald die erforderliche Verifizierung abgeschlossen ist, werden wir Sie über die weiteren Schritte informieren.

Wir danken Ihnen für Ihre Mitarbeit und Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen
Warren E. Buffett Donation.

Konkrete Nachweise gibt es weiterhin nicht. Dafür wird schon einmal ein Verifizierungsverfahren angekündigt. In solchen Fällen folgt häufig die Abfrage persönlicher Daten; später können angebliche Bearbeitungs-, Steuer- oder Transfergebühren hinzukommen. Die Millionen bleiben der Köder, während das Opfer Informationen oder echtes Geld liefern soll.

Hugo ist bereit für die Meisterprüfung

Damit Warren und seine Spendenabteilung nicht glauben, wir hätten das Interesse an den Millionen verloren, haben wir uns kooperationsbereit gezeigt. Gleichzeitig liefern wir natürlich noch keine persönlichen Daten:

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für die Bestätigung. Das klingt ja wirklich unglaublich – mit so viel Geld habe ich natürlich nicht gerechnet.

Wie funktioniert diese Verifizierung genau? Muss ich dafür etwas ausfüllen oder benötigen Sie einen Nachweis, dass die E-Mail-Adresse tatsächlich mir gehört? Einen Scanner habe ich leider nicht, aber Fotos könnte ich mit dem Handy machen.

Und noch eine Frage: Warum wurde meine Adresse ausgewählt? Ich nehme normalerweise an keinen Gewinnspielen teil.

Bitte schicken Sie mir die weiteren Anweisungen möglichst einfach erklärt. Bei solchen finanziellen Dingen bin ich nicht besonders erfahren.

Mit freundlichen Grüßen
Hugo

Die Verwaltung möchte Hugo einmal komplett

Die angekündigten Anweisungen ließen nicht lange auf sich warten. Aus den 2.500.000 US-Dollar der ersten E-Mail sind inzwischen übrigens 2.500.000 Euro geworden. Wechselkurs, Buchhaltung, Währung – bei einer Zufallsspende muss man offenbar nicht kleinlich sein.

📄 Die vollständige Datenabfrage

Guten Tag Hugo,

wir haben Ihre E-Mail erhalten und zur Kenntnis genommen. Bitte beachten Sie, dass Ihre E-Mail-Adresse automatisch und nach dem Zufallsprinzip von unserem E-Mail-Datenbank-System ausgewählt wurde.

Herzlichen Glückwunsch! Ihre E-Mail-Adresse wurde unter den Gewinnern ausgewählt, die eine Zuwendung in Höhe von 2.500.000,00 € erhalten. Bitte befolgen Sie die nachstehenden Anweisungen, damit die Verwaltung die Auszahlung der Spendengelder in die Wege leiten kann.

Um die Auszahlung der Spendengelder (2.500.000,00 €) zu ermöglichen, benötigen wir von Ihnen die folgenden Angaben. Damit können wir überprüfen, ob Sie tatsächlich der rechtmäßige Inhaber der ausgewählten E-Mail-Adresse sind.

Im Folgenden finden Sie die erforderlichen Informationen, die unsere Verwaltung benötigt, um die Auszahlung der Spendengelder zu veranlassen:

Name des Empfängers:
Telefonnummer:
Wohnadresse:
Land:
Geburtsdatum:
Geschlecht:
Familienstand:
Beruf/Tätigkeit:
Reisepass/Führerschein:

Hinweis: Ihre persönlichen Daten werden sicher und geschützt behandelt; Sie müssen sich also keine Sorgen machen. Wir müssen lediglich bestätigen, dass Sie der rechtmäßige Inhaber der E-Mail-Adresse sind; anschließend wird unsere Verwaltung umgehend die Auszahlung der Spendengelder veranlassen.

Ich hoffe, dass Sie die Spendengelder in Ihrem Bundesland oder Ihrer Region sinnvoll einsetzen können. Wir spenden, um die Lebensbedingungen in unserer Gemeinschaft oder unserem Umfeld zu verbessern.

Bevor wir Ihnen alle Informationen zur Auszahlung der Spendengelder zukommen lassen, müssen Sie uns zusichern, dass Sie unsere Anweisungen befolgen und unserer Organisation dabei helfen, ihren Traum zu verwirklichen.

Sollten Sie Fragen haben, zögern Sie bitte nicht, uns zu kontaktieren. Wir erwarten Ihre Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen
Warren E. Buffett Foundation.

Um festzustellen, ob Hugo wirklich Zugriff auf Hugos E-Mail-Adresse hat, würden eine Antwort oder ein Bestätigungslink genügen. Die angebliche Stiftung benötigt dafür weder seinen Familienstand noch seinen Beruf und schon gar kein Foto seines Ausweises. Gefragt wird trotzdem einmal nach dem kompletten Starterpaket für Identitätsmissbrauch.

Warum wollen Betrüger all diese Daten?

Die Angaben sind kein harmloser Papierkram. Zusammengesetzt ergeben sie ein erstaunlich brauchbares Profil:

  • Name, Anschrift und Geburtsdatum sind klassische Identitätsmerkmale. Sie können bei betrügerischen Bestellungen, gefälschten Verträgen oder weiteren Täuschungsversuchen eingesetzt werden.
  • Telefonnummer und E-Mail-Adresse eröffnen zusätzliche Kontaktwege. Künftige Anrufe und Nachrichten wirken viel glaubwürdiger, wenn der Absender Hugo bereits mit vollem Namen, Wohnort und Geburtsdatum ansprechen kann.
  • Beruf und Familienstand verraten etwas über die vermutete finanzielle Situation und liefern Stoff für eine maßgeschneiderte Geschichte. Aus einer allgemeinen Spam-Mail wird so leichter ein persönlicher Anruf vom angeblichen Bankmitarbeiter, Anwalt oder Paketdienst.
  • Reisepass oder Führerschein ist der Hauptgewinn innerhalb des Hauptgewinns. Eine gut lesbare Kopie enthält ein Foto, eine Dokumentennummer, die Unterschrift und weitere verlässliche Daten. Sie kann außerdem anderen Opfern als angeblicher Identitätsnachweis des Betrügers präsentiert werden.

Die Daten lassen sich also nicht nur in diesem Betrugsversuch verwenden. Sie können gespeichert, weitergegeben, verkauft und mit Informationen aus Datenlecks oder sozialen Netzwerken kombiniert werden. Selbst wenn Hugo niemals eine „Bearbeitungsgebühr“ zahlt, wäre ein echter Ausweis für die Täter bereits wertvolle Beute.

Besonders vertrauenerweckend ist deshalb der ausdrückliche Hinweis, die persönlichen Daten würden „sicher und geschützt“ behandelt. Einen Datenschutzkontakt, eine ladungsfähige Anschrift, einen nachvollziehbaren Zweck oder eine echte Datenschutzerklärung nennt die angebliche Stiftung nicht. Dafür gibt es das schriftliche Versprechen eines Unbekannten mit Gmail-Adresse – praktisch ein Hochsicherheitstresor aus Buchstaben.

Erst Gehorsam, dann Geld

Auch der Satz, Hugo müsse zusichern, künftig den Anweisungen zu folgen, ist kein versehentlich etwas autoritär geratener Kundenservice. Er testet, ob der Empfänger bereit ist, das vorgegebene Verfahren zu akzeptieren. Wer jetzt Daten liefert, soll beim nächsten Schritt möglichst auch eine angebliche Steuer, Versicherungsgebühr oder Freigabezahlung überweisen.

Der Ablauf ist typisch für Vorschussbetrug: Erst wird mit einer gewaltigen Belohnung gelockt, dann folgen kleine Verpflichtungen. Persönliche Angaben, ein Ausweisfoto, vielleicht ein Formular – und irgendwann erscheint eine vergleichsweise geringe Zahlung als letzte Hürde vor den Millionen. Die 2,5 Millionen existieren nicht. Die Daten und jede tatsächlich gezahlte Gebühr dagegen schon.

Warren wird schon unruhig

Hugo nahm sich für die Verwaltung seiner neuen Millionen offenbar zu viel Zeit. Noch bevor er Familienstand, Beruf und Führerschein zur freien Verfügung stellen konnte, kam bereits die freundliche Erinnerung:

Hallo,

ich hoffe, Ihnen und Ihrer Familie geht es gut. Es ist schon eine Weile her, dass ich von Ihnen gehört habe, und ich würde sehr gerne wissen, ob Sie die Spendengelder erhalten haben. Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.

Bemerkenswert: Dieselbe angebliche Organisation, die das Geld selbst auszahlen will, fragt Hugo nun, ob er es vielleicht schon erhalten habe. Bei 2,5 Millionen kann eine Überweisung in der Verwaltung offenbar schon einmal unbemerkt vom Schreibtisch rollen.

Das schnelle Nachfassen erfüllt aber einen Zweck. Es hält den Kontakt warm, erzeugt sanften Zeitdruck und soll verhindern, dass der Empfänger in Ruhe nachdenkt oder mit anderen darüber spricht. Die beiläufige Erwähnung der Familie schafft zusätzlich künstliche Nähe – obwohl Warren über Hugos Familienstand doch gerade erst noch ausgefragt werden wollte.

Hugo wird selbstverständlich weder echte persönliche Daten noch ein echtes Ausweisdokument verschicken. Wir sind aber gespannt, wie flexibel die Buffett-Buchhaltung reagiert, wenn ihr frisch ausgewählter Millionär bei der Verifizierung ein wenig Hilfe benötigt. 📨

Wir schicken fürs erste ein paar Fake-Daten und schauen was passiert.

Die Identität ist bestätigt – jetzt folgt die Dackelprüfung

Die erfundenen Angaben haben der angeblichen Stiftung offenbar genügt. Hugos Identität sei erfolgreich bestätigt worden und die Spendengelder stünden ihm „zweifellos“ zu. Bevor die Bankleitung die Überweisung veranlassen könne, müsse der frisch bestätigte Empfänger allerdings noch drei Fragen beantworten:

📄 Die neue Antwort der angeblichen Stiftung

Guten Tag Hugo,

wir haben Ihre letzte E-Mail erhalten und zur Kenntnis genommen. Ihre Identität als rechtmäßiger Empfänger wurde erfolgreich bestätigt, und die Spendengelder stehen Ihnen zweifellos zu.

Bevor die Bankleitung die Überweisung der Spendengelder veranlassen kann, möchten wir Ihnen jedoch noch einige Fragen stellen:

1. Haben Sie bereits früher eine Spende gewonnen?
2. Was beabsichtigen Sie mit den Spendengeldern zu tun?
3. Wie planen Sie, benachteiligte Menschen in Ihrer Gemeinde zu unterstützen?

Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis sowie Ihre Mitarbeit und sehen Ihrer baldigen Rückmeldung entgegen.

Mit freundlichen Grüßen
Warren E. Buffett Foundation.

Eine seriöse Stiftung würde Fördermittel nicht als „gewonnene Spende“ bezeichnen. Auch diese Fragen dienen nicht dazu, eine E-Mail-Adresse oder Identität zu verifizieren. Sie sollen Hugo emotional an die Geschichte binden und ihm das Gefühl geben, bereits über die Verwendung des angeblichen Geldes entscheiden zu können. Die Auszahlung rückt sprachlich immer näher, bleibt aber weiterhin reine Behauptung.

Hugo plant einen neuen Zwinger für Wanne-Eickel

Natürlich hat Hugo bereits einen verantwortungsvollen Verwendungszweck gefunden. Als Mitglied des Vorstands im Dackel-Club Wanne-Eickel möchte er einen neuen, artgerechten Zwinger für die Dackel kaufen. Auch bei der Unterstützung benachteiligter Menschen hat der Verein selbstverständlich schon einen Plan:

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich freue mich sehr, dass meine Identität bestätigt wurde und die Spendengelder nun für mich bereitstehen. Gerne beantworte ich Ihre Fragen:

  1. Nein, ich habe bisher noch nie eine Spende gewonnen. Das ist für mich das erste Mal.
  2. Ich bin im Vorstand des Dackel-Clubs Wanne-Eickel. Von einem Teil der Spendengelder würden wir einen neuen, modernen und artgerechten Zwinger für unsere Dackel kaufen. Unser bisheriger Zwinger ist schon etwas in die Jahre gekommen und könnte dringend erneuert werden.
  3. Wir möchten benachteiligten Menschen aus unserer Gemeinde die kostenlose Teilnahme an unseren Vereinsveranstaltungen ermöglichen. Außerdem könnten wir mit unseren Dackeln regelmäßig ältere und alleinstehende Menschen besuchen, damit sie Gesellschaft haben und ein wenig Freude im Alltag bekommen.

Ich hoffe, dass diese Pläne im Sinne Ihrer Stiftung sind. Bitte teilen Sie mir mit, wie es nun mit der Überweisung weitergeht.

Mit freundlichen Grüßen Hugo Vorstand, Dackel-Club Wanne-Eickel

Damit ist die große philanthropische Vision nun vollständig: Warren liefert die Millionen, Hugo den Vorstandsbeschluss und Wanne-Eickel bekommt vermutlich den teuersten Dackel-Zwinger des Ruhrgebiets. Jetzt fehlt eigentlich nur noch die Überweisung – oder, deutlich wahrscheinlicher, die nächste angebliche Gebühr. 🐕

Der Buchhalter übernimmt

Und tatsächlich geht es weiter wie im Lehrbuch. Die angebliche Stiftung erklärt Hugos Identität kurzerhand für bestätigt und reicht ihn an den nächsten Ansprechpartner weiter. Ab jetzt soll sich ein gewisser Raymond David um die Auszahlung kümmern – natürlich ebenfalls über eine gewöhnliche Gmail-Adresse.

📄 Die Antwort der angeblichen Warren E. Buffett Foundation

Sehr geehrter Hugo,

Ihre letzte E-Mail war sehr präzise formuliert, und die darin enthaltenen Angaben stimmten mit denen in unserer Datenbank überein. Dies bestätigt, dass Sie der rechtmäßige Empfänger dieser Nachricht sind (E-Mail-Adresse: [Hugos E-Mail-Adresse entfernt]).

Bitte setzen Sie sich umgehend mit Herrn Raymond David in Verbindung, um die Auszahlung Ihrer Spendensumme zu veranlassen; er ist der für diese Spende zuständige Buchhalter. Sie erreichen ihn unter folgender E-Mail-Adresse:
E-Mail: raymonddavid148@gmail.com

Es geht um Ihre Spende in Höhe von 2.500.000 Euro (Referenznummer: WBF002114).

Hinweis: Die Referenznummer Ihrer Spende ist sehr wichtig, damit die Bankleitung die Überweisung der Gelder in die Wege leiten kann.

Ich danke Ihnen, dass Sie meine Spende annehmen, und hoffe, dass Sie die Mittel sinnvoll einsetzen. Ich bete zudem darum, dass der Herr Sie dazu gebraucht, das Leben benachteiligter Menschen positiv zu beeinflussen und Ihrer Gemeinschaft etwas zurückzugeben. Gemeinsam können wir die Welt zu einem besseren Ort machen; ich weiß, dass Sie ein Mensch mit großem Herz sind, und ich vertraue Ihnen.

Herzliche Grüße,
Warren E. Buffett Foundation.

Die Prüfung war offenbar besonders anspruchsvoll: Die erfundenen Angaben stimmen mit einer angeblichen Datenbank überein, obwohl Hugo zuvor zufällig über seine E-Mail-Adresse ausgewählt worden sein soll. Einen unabhängigen Nachweis für die Stiftung, den Buchhalter oder das Geld gibt es weiterhin nicht.

Auch die Referenznummer hat sich unterwegs verwandelt. Zu Beginn lautete sie noch WBCF/XGMM/001015/0026, nun soll plötzlich WBF002114 für dieselbe Spende entscheidend sein. Dafür kommt mit raymonddavid148@gmail.com bereits die dritte Gmail-Adresse ins Spiel. Genau diese Weitergabe an einen angeblichen Buchhalter, Anwalt oder Bankmitarbeiter ist bei Vorschussbetrug üblich: Eine zweite Rolle soll Seriosität vorspielen und später die erfundene Gebühr plausibel machen.

Noch wird kein Geld verlangt. Erfahrungsgemäß folgt nun aber der eigentliche Kassenbereich – etwa mit angeblichen Kosten für Steuern, Freigaben, Zertifikate, Versicherungen oder eine internationale Überweisung. Solche Gebühren dürfen selbstverständlich niemals bezahlt werden; auch echte Bankdaten oder Ausweisdokumente werden wir nicht versenden.

Unsere Antwort an Raymond David

Wir halten die erste Nachricht bewusst knapp und geben außer der ohnehin genannten Referenznummer keine weiteren Daten preis:

Betreff: Spende über 2.500.000 Euro – Referenznummer WBF002114

Sehr geehrter Herr David,

die Warren E. Buffett Foundation hat mich wegen meiner Spende über 2.500.000 Euro an Sie verwiesen. Die zugehörige Referenznummer lautet WBF002114.

Bitte teilen Sie mir mit, wie es nun weitergeht und welche Schritte für die Auszahlung erforderlich sind.

Mit freundlichen Grüßen
Hugo

Damit ist der neue Ansprechpartner am Zug. Mal sehen, ob der „Buchhalter“ tatsächlich eine Überweisung vorbereitet – oder ob vor den 2,5 Millionen erst einmal eine erstaunlich dringende Rechnung bei Hugo eintrifft. 💸

Zwei Wege zu den Millionen – beide führen zur Vorkasse

Raymond David hat geantwortet, und die angekündigte Rechnung ist da. Hugos neue Referenznummer sei selbstverständlich „eindeutig bestätigt“ worden. Für die Auszahlung soll er nun zwischen zwei angeblichen Überweisungswegen wählen: 2.500 Euro für eine Banküberweisung mit Gerichts- und Anwaltsgeschichte oder 950 Euro für ein Online-Konto samt Debitkarte bei einer „Turkcity Bank Inc“.

Die Turkcity Bank ist bei uns keine Unbekannte: Schon im Fall des angeblichen Citibank-Mitarbeiters Chong Pong Song tauchte sie als vermeintliche Online-Bank auf. Damals versprach sie ebenfalls weltweite Überweisungen innerhalb von 48 Stunden und verlangte für die Kontoeröffnung Geld im Voraus. Offenbar wird dieselbe Fake-Bank-Kulisse für unterschiedliche Millionengeschichten wiederverwendet.

📄 Die vollständige Antwort von Raymond David

Sehr geehrter Hugo,

Ihre Referenznummer WBF002114 wurde eindeutig bestätigt und mit dem Eintrag in unserer Datenbank abgeglichen. Dies belegt, dass Sie tatsächlich der rechtmäßige Empfänger dieser Spendengelder sind.

Ich möchte Ihnen raten, die unten aufgeführten Überweisungsoptionen sorgfältig zu prüfen und eine davon auszuwählen, um die Auszahlung Ihrer Spendengelder zu veranlassen. Dies ist erforderlich, damit wir und die Bankleitung die Überweisung der Spendengelder auf das von Ihnen bevorzugte Bankkonto (gemäß den untenstehenden Optionen) durchführen können.

ÜBERWEISUNGSOPTIONEN!

1. Bank-zu-Bank-Überweisung: Bei dieser Option wird das Geld von einem Treuhandkonto auf Ihr lokales Bankkonto überwiesen. Hierfür ist eine von einem US-Gericht beglaubigte Erklärung erforderlich, die ein Anwaltskonto sowie die Zahlung einer Bankgebühr in Höhe von 2.500 € (zweitausendfünfhundert Euro) voraussetzt. Normalerweise empfehlen wir unseren Kunden diese Option nicht, da sie mit höheren Kosten verbunden ist – was uns zu Option 2 führt.

2. Kontoeröffnung bei der Turkcity Bank Inc:

Bei dieser Option müssen Sie lediglich ein Online-Konto bei uns eröffnen; die Zugangsdaten werden Ihnen automatisch von unserer offiziellen Bank-E-Mail-Adresse zugesandt. Diese Option ermöglicht es Ihnen, Online-Überweisungen von Ihrem Konto bei der Turkcity Bank Inc. auf ein beliebiges Bankkonto Ihrer Wahl zu tätigen; der Betrag wird innerhalb von 48 Stunden auf Ihrem lokalen Bankkonto gutgeschrieben.

Die Bankleitung stellt Ihnen zudem eine Debit-Mastercard (Bankkarte) aus, mit der Sie Bargeld abheben und Überweisungen von Ihrem Konto auf ein beliebiges anderes Bankkonto vornehmen können. Die Eröffnung dieses Kontos und die Zustellung der Debit-Mastercard kosten lediglich 950 € (neunhundertfünfzig Euro).

Bitte beachten Sie, dass dies die einzigen anfallenden Kosten sind, um Ihnen den Erhalt der Spendengelder ohne Komplikationen zu ermöglichen. Bitte stellen Sie sicher, dass Sie die Spendengelder nach Erhalt sinnvoll verwenden. Ich bin davon überzeugt, dass man Ihnen vertrauen kann und dass Sie diese Spendengelder gewinnbringend einsetzen werden. Ich bete darum, dass der Friede des Herrn stets mit Ihnen und Ihrer Familie ist. Hinweis: Bitte wählen Sie aus den oben aufgeführten Übertragungsoptionen diejenige aus, über die Sie die Spendensumme in Höhe von 2.500.000,00 € (in Worten: zwei Millionen fünfhunderttausend Euro) erhalten möchten. Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Mitarbeit.

Bitte sehen Sie sich auch die unten angehängte Kopie meines Personalausweises an, um sich davon zu überzeugen, dass diese Transaktion absolut seriös und rechtmäßig ist. Ich freue mich auf Ihre baldige positive Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen
Raymond David.

Das ist der entscheidende Schritt des Vorschussbetrugs: Bevor das erfundene Vermögen ausgezahlt werden könne, müsse der Empfänger zunächst echtes Geld überweisen. Die beiden „Optionen“ sollen dabei Auswahlfreiheit vorspielen. Tatsächlich darf Hugo nur zwischen einer hohen Gebühr und der auffällig günstigeren Gebühr wählen. Die zweite Variante wird mit „lediglich 950 €“ gezielt als vernünftiges Angebot präsentiert.

Warum eine angebliche Bank ihre Kosten nicht einfach von den angeblichen 2,5 Millionen abziehen kann, bleibt unerklärt. Ebenso wenig ergibt es Sinn, für eine gewöhnliche Überweisung plötzlich eine von einem US-Gericht beglaubigte Erklärung und ein „Anwaltskonto“ zu benötigen. Die versprochene Debit-Mastercard, der 48-Stunden-Transfer und die angeblich einmaligen Kosten liefern vor allem viele seriös klingende Begriffe – aber keinen überprüfbaren Nachweis, dass ein Konto oder die Spendengelder überhaupt existieren.

Die 950 Euro wären mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht das Ende. Wer die erste Forderung bezahlt, bekommt bei Vorschussbetrug häufig weitere Rechnungen präsentiert: angebliche Steuern, Aktivierungsgebühren, Versicherungen oder Kosten für die Freigabe der Überweisung. Hugo wird keine der beiden Optionen wählen und keinen Cent bezahlen.

Der angebliche Ausweis besteht die Datenprüfung nicht

Als Seriositätsbeweis hängt Raymond keinen Personalausweis, sondern das Bild eines US-Reisepasses an. Schon optisch wirkt das Dokument wie eine digitale Montage. Entscheidend sind aber nicht unsaubere Kanten oder unterschiedliche Schriften, sondern die Daten, die sich direkt miteinander vergleichen lassen.

Angeblicher US-Reisepass von Raymond David mit widersprüchlichen Angaben

Die maschinenlesbare Zone am unteren Rand – kurz MRZ – widerspricht den darüber gedruckten Angaben gleich mehrfach:

  • Als Geburtsdatum ist sichtbar der 25. April 1971 eingetragen. Die MRZ codiert 530418, also den 18. April 1953.
  • Das sichtbare Ablaufdatum lautet 8. Juni 2027. In der MRZ steht mit 250608 dagegen der 8. Juni 2025.
  • Die erste MRZ-Zeile beginnt mit P<FLORIDA<USA…. An dieser Stelle müssten Dokumenttyp und ausstellender Staat stehen; „Florida“ gehört dort nicht hin.

Damit ist das Bild kein belastbarer Identitätsnachweis, unabhängig davon, wessen Porträt dafür verwendet wurde. Ein Ausweisfoto im E-Mail-Anhang beweist ohnehin weder die Identität des Absenders noch die Existenz einer Bank oder eines Millionenvermögens. In diesem Fall widerlegt sich das Dokument dank seiner widersprüchlichen Daten praktischerweise selbst.

Hugo wählt die günstige Millionen-Option

Hugo möchte die internationale Finanzwelt nicht unnötig aufhalten und entscheidet sich deshalb für das angebliche Online-Konto. Nur die Reihenfolge bereitet ihm noch Sorgen: Wenn dort gleich 2,5 Millionen Euro liegen sollen, müsste sich die Kontoeröffnungsgebühr schließlich problemlos von diesem Guthaben abziehen lassen. Außerdem kann der Kassenwart des Dackel-Clubs mit einem Passfoto allein natürlich keine ordentliche Buchführung machen.

Betreff: Referenznummer WBF002114 – Auswahl der Überweisungsoption

Sehr geehrter Herr David,

vielen Dank für Ihre ausführliche Erklärung und die Kopie Ihres Reisepasses.

Ich habe mich mit dem Vorstand des Dackel-Clubs Wanne-Eickel beraten. Wir möchten Option 2 mit dem Online-Konto bei der Turkcity Bank Inc wählen. Die Bankkarte wäre für unsere Vereinsausgaben sehr praktisch.

Leider kann ich die verlangten 950 Euro nicht im Voraus bezahlen. Da auf dem neuen Konto anschließend 2.500.000 Euro liegen sollen, ziehen Sie die Gebühr bitte direkt davon ab. Sie können also 950 Euro einbehalten und nur 2.499.050 Euro gutschreiben. Damit bin ich ausdrücklich einverstanden.

Bitte senden Sie mir außerdem die Kontoeröffnungsunterlagen sowie die vollständige Geschäftsanschrift, Banklizenznummer und BIC/SWIFT-Kennung der Turkcity Bank. Unser Kassenwart benötigt diese Angaben für die Vereinsunterlagen.

Ich hoffe, dass wir die Kontoeröffnung nun schnell abschließen können. Die Dackel warten bereits auf ihren neuen Zwinger.

Mit freundlichen Grüßen
Hugo
Vorstand, Dackel-Club Wanne-Eickel

Damit liegt ein einfacher Gegenvorschlag auf dem Tisch: Die angebliche Bank kann ihre 950 Euro aus dem angeblichen Guthaben erhalten, ohne dass Hugo echtes Geld überweisen muss. Eine seriöse Antwort müsste zudem die Bank eindeutig identifizieren und ihre Zulassung überprüfbar machen. Wir erwarten allerdings eher eine kreative Erklärung, warum ausgerechnet die kleine Gebühr unbedingt vor den großen Millionen bezahlt werden müsse.

Aus 950 Euro werden plötzlich 550 Euro

Raymond David hat eine Lösung für Hugos Geldnot gefunden: Die angeblich festen Kosten der Kontoeröffnung schrumpfen kurzerhand von 950 Euro auf eine erste Rate von 550 Euro. Den Rest dürfe Hugo begleichen, nachdem er seine Spendengelder erhalten habe. Eine Erklärung, weshalb dann nicht auch die erste Rate aus den angeblichen 2,5 Millionen Euro bezahlt werden kann, liefert er weiterhin nicht.

📄 Die vollständige Antwort von Raymond David

Sehr geehrter Hugo,

ich habe Ihre E-Mail erhalten und gut verstanden. Leider muss ich Ihnen jedoch mitteilen, dass die Kosten für die Kontoeröffnung nicht von Ihrem Spendenguthaben abgezogen werden können, da sich dieses auf einem Treuhandkonto befindet und dort keine Abbuchungen möglich sind.

Es scheint, als hätten Sie Bedenken oder Angst davor, den gesamten Betrag auf einmal zu zahlen. Da Sie sich die volle Summe auf einmal nicht leisten können, rate ich Ihnen, zunächst nur eine erste Rate in Höhe von 550 Euro zu zahlen; wir schlagen dies vor, um Vertrauen aufzubauen und unser Engagement Ihnen gegenüber zu zeigen. Bitte befolgen Sie diese Anweisungen, denn wir tun alles, um Ihnen den Erhalt Ihrer Spendengelder so einfach wie möglich zu machen, ohne Sie finanziell zu überlasten.

Hinweis: Sobald die Zahlung von 550 Euro eingegangen ist, wird die Bankleitung umgehend mit der Kontoeröffnung beginnen. Sie erhalten dann alle erforderlichen Informationen zur Turkcity Bank, einschließlich der Allgemeinen Geschäftsbedingungen sowie Ihrer Zugangsdaten für das neue Konto. Damit können Sie sich in Ihr Online-Konto einloggen und problemlos Überweisungen auf ein beliebiges Bankkonto Ihrer Wahl tätigen.

Ich empfehle Ihnen daher dringend, die erste Rate von 550 Euro zu zahlen; den Restbetrag begleichen Sie erst, nachdem Sie Ihre Spendengelder erhalten haben. Wenden Sie sich am besten an den „Wanne-Eickel Dachshund Club“, um die 550 Euro für die erste Rate aufzubringen; so kann die Turkcity Bank Inc. die Kontoeröffnung direkt nach Zahlungseingang und ohne Komplikationen in die Wege leiten.

Bitte beachten Sie, dass wir ohne diese Einzahlung die Kontoeröffnung nicht vornehmen können. Zudem wird der Betrag für die Versandkosten (DHL) benötigt, damit wir Ihnen die Mastercard problemlos an Ihre bevorzugte Rechnungsadresse schicken können. Seien Sie versichert, dass die gesamte Abwicklung Ihrer Spendengelder seriös und garantiert ist. Ich freue mich auf Ihre baldige Rückmeldung.

Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Mitarbeit. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Der Rabatt ist kein Entgegenkommen, sondern ein weiterer Versuch, doch noch eine erste Zahlung zu erhalten. Besonders aufschlussreich ist die Behauptung, Hugo bekäme die Geschäftsbedingungen und alle Informationen zur Turkcity Bank erst nach Zahlungseingang. Er soll also Geld für ein Konto überweisen, bevor er überhaupt erfährt, bei welcher rechtlich identifizierbaren Bank dieses Konto eröffnet werden soll und welche Bedingungen dafür gelten.

Auch die Begründung wechselt nach Bedarf. Zunächst sollten 950 Euro die Kontoeröffnung und Zustellung der Karte kosten. Nun seien 550 Euro zugleich eine erste Rate und für DHL-Versandkosten erforderlich. Raymond versucht außerdem, Hugos Vorsicht als „Bedenken oder Angst“ umzudeuten und schlägt sogar vor, den Dackel-Club um das Geld zu bitten. Das soll sozialen Druck erzeugen und weitere Personen in die Finanzierung der erfundenen Gebühr hineinziehen.

Hugo bekommt die erste Rate zusammen

Nach eingehender Beratung kann der Dackel-Club die 550 Euro angeblich aufbringen. Bevor der Kassenwart eine Überweisung vorbereitet, fehlen allerdings noch ein paar eher grundlegende Angaben: Empfänger, IBAN, BIC und der Name der Empfängerbank. Genau danach fragt Hugo nun:

Betreff: Referenznummer WBF002114 – erste Rate von 550 Euro

Sehr geehrter Herr David,

vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihr Entgegenkommen. Nach eingehender Beratung mit dem Vorstand des Dackel-Clubs Wanne-Eickel können wir die erste Rate in Höhe von 550 Euro nun überweisen.

Bitte senden Sie mir dafür die vollständige Bankverbindung mit dem Namen des Kontoinhabers, der IBAN, der BIC beziehungsweise SWIFT-Kennung, dem Namen der Empfängerbank und dem Land der Bank. Teilen Sie mir bitte auch mit, welchen Verwendungszweck ich bei der Überweisung angeben soll.

Sobald mir diese Angaben vorliegen, kann ich sie unserem Kassenwart zur Vorbereitung der Überweisung geben.

Mit freundlichen Grüßen
Hugo
Vorstand, Dackel-Club Wanne-Eickel

Vielleicht erfahren wir damit endlich, wohin das Geld tatsächlich fließen soll. Überwiesen wird selbstverständlich nichts. Eine genannte Bankverbindung kann aber dabei helfen, den beteiligten Zahlungsdienstleister zu informieren und das Empfängerkonto wegen Betrugsverdachts zu melden.

Ein Privatkonto für die Buffett-Millionen

Raymond hat geliefert. Die 550 Euro sollen auf ein französisches Konto bei Deblock gehen. Als Kontoinhaber nennt er keine Stiftung, keine Bank und auch keinen Dackel-Vermögensverwalter, sondern eine Privatperson. Den Namen und die IBAN geben wir hier nur gekürzt wieder:

Als wir Ihre E-Mail erhielten, hieß es deutlich: Nachfolgend finden Sie die repräsentativen Kontodaten für die Einzahlung bei Ihrer Kontoeröffnung!

Namensnamen: Giuseppe F.
IBAN: FR76 … 3814
BIC/SWIFT-Code: DBLKFR22XXX
Bankname: Deblock
Land: Frankreich

Gesendeter Betrag: nur 550 Euro.

Zahlungszwecke: Freunde und Familie

Bitte zögern Sie nicht, den Zahlungsbeleg/die Quittung zur Bestätigung einzusenden.
Nochmals vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Kooperation, wir freuen uns auf Ihr Feedback.

„Freunde und Familie“ ist ein bemerkenswerter Verwendungszweck für die angebliche Eröffnung eines Bankkontos. Hugo kennt den Empfänger nicht, und eine private Zahlung passt auch nicht zu den zuvor behaupteten Kontoeröffnungs- und Versandkosten. Der gewünschte Beleg soll Raymond offenbar möglichst schnell bestätigen, dass echtes Geld unterwegs ist.

Das Privatkonto könnte als Durchlaufkonto beziehungsweise Money-Mule-Konto dienen. Dabei werden Zahlungen von Betrugsopfern über Konten Dritter weitergeleitet. Belegt ist das hier jedoch nicht: Der genannte Kontoinhaber könnte beteiligt sein, selbst getäuscht worden sein oder sein Name könnte missbraucht werden. Wir bezeichnen ihn deshalb ausdrücklich nicht als Täter. Die Polizeiliche Kriminalprävention erklärt die Rolle solcher Finanzagenten und warnt davor, dass auch angeworbene Kontoinhaber für Geldwäsche missbraucht werden können.

Hugo hat überwiesen – also beinahe

Wir haben Raymond anschließend mitgeteilt, die Zahlung sei erledigt:

Hallo Herr Raymond,

wir haben das Geld soeben überwiesen. Wir waren etwas nervös, da wir sowas noch nicht gemacht haben.

Gruß
Hugo

Als vermeintlichen Nachweis bekam er diesen Screenshot:

Vermeintlicher Überweisungsbeleg über 550 Euro mit dem Verwendungszweck Freunde und Familie; Empfänger- und Kontodaten sind teilweise geschwärzt

Leider ist Hugo bei seiner ersten internationalen Millionenüberweisung ein winziger Fehler unterlaufen: Statt des französischen Ländercodes FR steht im Beleg FT. Damit stimmt die Empfängerkennung nicht mit der geforderten IBAN überein. Wie ärgerlich. 😇

Die 550 Euro wurden selbstverständlich nicht wirklich überwiesen. Der Screenshot dokumentiert nur die vermeintliche Zahlung; durch den absichtlichen Buchstabendreher kann daraus keine gültige Überweisung an das genannte Konto werden. Nun darf Raymond erklären, warum die große Buffett-Finanzabteilung beim Geldeingang trotz Beleg plötzlich nichts finden kann.

Jetzt soll die IBAN schuld sein

Die erwartete Rückmeldung ließ nicht lange auf sich warten. Angeblich seien die 550 Euro nicht eingegangen – und der Fehler müsse natürlich bei Hugo liegen:

Sehr geehrter Hugo,

ich hoffe, es geht Ihnen gut. Ich möchte Sie darüber informieren, dass die Zahlung in Höhe von 550 Euro für die Kontoeröffnung noch nicht bei uns eingegangen ist. Vermutlich ist Ihnen bei der Überweisung ein Fehler bei der IBAN unterlaufen. Bitte überprüfen Sie die Angaben sorgfältig und korrigieren Sie diese, damit die Überweisung erfolgreich durchgeführt werden kann und wir die Kontoeröffnung unmittelbar nach Zahlungseingang fortsetzen können.

Bitte geben Sie uns dazu schnellstmöglich eine Rückmeldung.

Damit hat die angebliche Buffett-Finanzabteilung den Fehler im Beleg entdeckt. Bemerkenswert ist weniger diese Erkenntnis als das Ziel der Nachricht: Hugo soll die Kontodaten korrigieren und die Zahlung erneut anstoßen. Aus dem großzügigen Millionengeschenk bleibt damit vorerst nur eine sehr hartnäckige Forderung nach 550 Euro übrig.

Parallel gingen bei uns auch Nachrichten über WhatsApp und sogar Anrufe ein. Wir haben darauf nicht reagiert. Der Wechsel vom E-Mail-Verkehr zu direkten Nachrichten und Telefonanrufen erhöht den Druck und verkürzt die Zeit zum Nachdenken – ein weiteres deutliches Warnzeichen. Eine unbekannte Person, die wegen einer angeblich fehlgeschlagenen Zahlung auf mehreren Kanälen drängelt, wird dadurch nicht seriöser. 📞🚩

Hugo antwortet knapp und kündigt an, die Sache am nächsten Tag bei seiner Bank prüfen zu lassen:

Sehr geehrter Herr David,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich werde morgen bei meiner Bank überprüfen lassen, weshalb die Zahlung nicht eingegangen ist, und mich anschließend wieder bei Ihnen melden.

Mit freundlichen Grüßen
Hugo

Eine weitere Zahlung wird selbstverständlich nicht veranlasst. Auch auf die WhatsApp-Nachrichten und Anrufe reagieren wir nicht.

Die Bank soll die IBAN reparieren

Raymond begrüßt den angekündigten Bankbesuch. Das Problem liege weiterhin bei Hugo und müsse nur noch gemeinsam mit dessen Bank behoben werden:

Hallo Hugo,

ich habe Ihre E-Mail erhalten; der Inhalt ist klar und verständlich. Bitte wenden Sie sich an Ihre Bank, um das Problem zu beheben und die IBAN zu korrigieren. Dies ermöglicht eine erfolgreiche Überweisung, woraufhin unsere Bank die Eröffnung Ihres Kontos ohne weitere Beanstandungen vornehmen kann.

Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Mitwirkung. Wir freuen uns auf Ihre positive Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen,
Raymond David.

Die angebliche Buffett-Finanzabteilung bleibt damit bei ihrem bemerkenswert übersichtlichen Geschäftsmodell: Hugo soll die fehlerhafte IBAN korrigieren und die 550 Euro noch einmal losschicken. Dass eine vermeintliche Bank für eine Kontoeröffnung Geld auf ein französisches Privatkonto mit dem Verwendungszweck „Freunde und Familie“ verlangt, scheint Raymond dagegen weiterhin nicht erklärungsbedürftig zu finden.

Hugo war inzwischen bei seiner Bank. Dort stellte sich heraus, dass er offenbar gar keine Auslandsüberweisungen veranlassen kann. Für die große internationale Millionenabwicklung ist das natürlich ein kleiner organisatorischer Rückschlag. 🙂 Eine korrigierte Überweisung gibt es deshalb weiterhin nicht.

Plötzlich geht es auch mit einem deutschen Konto

Für Raymond ist Hugos angeblich fehlende Möglichkeit zur Auslandsüberweisung erstaunlicherweise kein Hindernis. Stattdessen kündigt er nun die Bankverbindung eines nicht näher bezeichneten „Vertreters in Deutschland“ an:

Sehr geehrter Hugo,

ich habe Ihre Nachricht erhalten und gut verstanden. Sollte es Ihnen nicht möglich sein, eine internationale Überweisung von Ihrem Konto aus zu tätigen, stellt dies kein Problem dar: Wir können Ihnen die Bankverbindung eines Vertreters in Deutschland zur Verfügung stellen, über die Sie die Überweisung abwickeln können.

Wir setzen alles daran, dies zu ermöglichen und sicherzustellen, dass Sie Ihre Spendengelder ohne Stress oder Verzögerung erhalten. Bitte lassen Sie mich wissen, wann Sie die ausstehende Überweisung in Höhe von 550 Euro vornehmen möchten; wir senden Ihnen dann umgehend die erforderlichen deutschen Kontodaten für die Einzahlung zu.

Wir haben unsererseits alles in die Wege geleitet, damit Sie Ihre Spendengelder erhalten. Wir danken Ihnen für Ihr Vertrauen und Ihre Mitwirkung bei den notwendigen Schritten – Sie werden diesen Prozess ganz sicher nicht bereuen.

Bitte antworten Sie zeitnah auf meine Nachricht, damit eine schnelle und reibungslose Abwicklung gewährleistet werden kann.

Aus dem französischen Privatkonto wird auf Zuruf also ein deutsches Vertreterkonto. Wer dieser Vertreter ist, welche Verbindung er zur angeblichen Stiftung hat und warum eine internationale Spendenorganisation Gebühren über wechselnde Privatkonten einsammeln möchte, erklärt Raymond nicht. Dafür drängt er erneut auf eine zeitnahe Antwort und verspricht, Hugo werde den Vorgang „ganz sicher nicht bereuen“ – belastbare Finanzabwicklung sieht anders aus.

Ein solches deutsches Konto kann die Hemmschwelle senken, weil die Überweisung vertrauter wirkt. Zugleich besteht erneut das Risiko, dass ein Konto als Durchlaufstation für fremdes Geld verwendet wird. Ohne die Kontodaten und weitere Belege ist allerdings offen, wem das angekündigte Konto gehört und ob dessen Inhaber wissentlich beteiligt wäre.

Hugo zeigt sich deshalb bereit für den nächsten Akt der internationalen Buffett-Buchhaltung:

Hallo Herr David, ja das wäre gut, ich kann nur in Deutschland überweisen.
Gruß Hugo

Echtes Geld wird auch auf dieses Konto selbstverständlich nicht überwiesen. Falls Raymond die angekündigten deutschen Kontodaten schickt, können sie stattdessen wegen des Betrugsverdachts an den beteiligten Zahlungsdienstleister gemeldet werden.

Das deutsche Vertreterkonto hat einen Namen

Raymond schickt die angekündigte Bankverbindung. Wieder soll das Geld nicht an eine Stiftung oder Bank gehen, sondern an eine angebliche Privatperson. Den verwendeten Namen und die IBAN geben wir nur gekürzt wieder:

Sehr geehrter Hugo,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Bitte entnehmen Sie die Kontodaten unseres Vertreters in Deutschland der untenstehenden Aufstellung; diese können Sie für die Einzahlung im Rahmen Ihrer Kontoeröffnung verwenden.

Kontoinhaber: PASCAL K.

IBAN: DE39 5405 … 3145
BIC: MALADE51ROK
Bank: Sparkasse
Bankadresse: Jakobstraße 15, 67722 Winnweiler
Betrag: 550 Euro.

Bitte lassen Sie uns einen Nachweis über die Zahlung zukommen, damit wir den Zahlungseingang umgehend bestätigen können. Sobald Ihre Zahlung bestätigt wurde, wird die Bankleitung die weiteren Schritte bezüglich Ihrer Spendengelder einleiten.

Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Kooperation. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen,
Raymond David.

Die Bankdaten sind zumindest geschickt gewählt: Die BIC gehört tatsächlich zur Sparkasse Donnersberg und die angegebene Anschrift ist deren Niederlassung in Winnweiler. Auch die IBAN ist formal prüfzifferngültig. Das bestätigt aber nur, dass die Zahlen plausibel aufgebaut sind – nicht, dass der genannte Kontoinhaber ein Vertreter der angeblichen Stiftung ist oder überhaupt von dieser Geschichte weiß.

Zu dem verwendeten Namen fanden wir keinen belastbaren öffentlichen Hinweis, der eine Verbindung zu diesem Betrugsversuch belegt. Es gibt gleichnamige Personen, doch daraus lässt sich nichts ableiten. Der Name könnte zu einem tatsächlich eröffneten Konto gehören, missbraucht worden sein oder frei erfunden sein. Deshalb bezeichnen wir den Genannten ausdrücklich nicht als Täter.

Hugo hat noch einmal „überwiesen“

Damit die internationale Buffett-Buchhaltung nicht ins Stocken gerät, bekam Raymond erneut einen vermeintlichen Zahlungsnachweis:

Vermeintlicher Überweisungsbeleg über 550 Euro an das deutsche Vertreterkonto; Name und IBAN sind teilweise geschwärzt

Dummerweise hat Hugo beim Verwendungszweck nicht an eine diskrete „Kontoeröffnungsgebühr“ gedacht, sondern „Spende Warren Buffet Turkcity“ eingetragen. Das passt weder zum privaten Empfänger noch zu der behaupteten Kontoeröffnung. Wäre doch schade, wenn eine Bank bei dieser kleinen Zusammenfassung der Betrugsgeschichte stutzig würde und die Zahlung deshalb nicht wie erhofft durchwinkt. 😇

Die 550 Euro wurden selbstverständlich auch diesmal nicht wirklich überwiesen. Der Screenshot ist lediglich der vorgetäuschte Zahlungsnachweis; Name und Kontodaten sind darin teilweise geschwärzt.

Währenddessen bleibt es nicht bei E-Mails. Die Scammer suchen parallel über WhatsApp Kontakt, schicken Nachrichten und rufen an. Dieses Drängeln über mehrere Kanäle soll Druck erzeugen und Hugo zu einer schnellen Zahlung bewegen. Wer so kontaktiert wird, sollte nicht diskutieren oder zurückrufen, sondern den Kontakt blockieren, Belege sichern und die Bankverbindung wegen Betrugsverdachts an die betroffene Bank melden. 📞🚩

Raymond wartet auf die Zahlungsbestätigung

Raymond hat den vermeintlichen Überweisungsbeleg offenbar akzeptiert. Jetzt fehlt ihm nur noch der tatsächliche Geldeingang:

Hallo Hugo,

ich habe Ihre Nachricht erhalten; alles ist klar verständlich. Ich werde Sie informieren, sobald Ihre Zahlung bestätigt wurde.

Mehr Prüfung scheint die angebliche Finanzabteilung nicht zu benötigen. Kein Vertrag, keine nachvollziehbare Rechnung und weiterhin kein Beleg dafür, dass Raymond überhaupt etwas mit Warren Buffett zu tun hat – aber ein Screenshot genügt offenbar, um auf 550 Euro zu hoffen.

Die Bank zieht die Notbremse

Hugo wird nun bewusst deutlich. Seine Bank habe angerufen, die Überweisung wegen Betrugsverdachts gestoppt und die Geschichte als das eingeordnet, was sie nach allen vorliegenden Indizien ist: ein Vorschussbetrug. Unsere Antwort:

Hallo Herr David,

meine Bank hat mich heute angerufen. Die Überweisung wurde gestoppt, weil die Bank von einem Betrugsversuch ausgeht.

Man hat mir sehr deutlich erklärt, dass Warren Buffett nicht per Gmail Geld an zufällig ausgewählte fremde Personen verschenkt – und dafür ganz sicher keine 550 Euro auf ein privates Konto in Deutschland verlangt.

Ganz ehrlich: Ich bin richtig sauer. Sie haben mir eine erfundene Spende versprochen, mich ständig unter Druck gesetzt und versucht, mich zu einer Zahlung an irgendeine Privatperson zu bringen. Hören Sie auf, mir weitere Märchen über Warren Buffett, eine angebliche Stiftung und diese erfundene Bank zu erzählen.

Ich werde kein Geld überweisen.

Hugo

Damit ist der entscheidende Punkt ausgesprochen: Warren Buffett verschenkt nicht auf diesem Weg Geld. Wer erst Millionen verspricht und vor der Auszahlung eine Gebühr auf wechselnde Privatkonten verlangt, verteilt keine Spenden. Er versucht, echtes Geld mit einer erfundenen Belohnung herauszulocken. Genau so funktioniert Vorschussbetrug.

Die letzte Rechtfertigung per WhatsApp

Auf unsere deutliche E-Mail kam keine weitere Antwort. Über WhatsApp versuchte der Kontakt allerdings noch einmal, die Geschichte zu retten:

WhatsApp-Nachricht des Kontakts: Er bestreitet den Betrugsversuch und behauptet, die geforderten 550 Euro seien erstattungsfähig

Ich habe dich zu nichts gedrängt, und es handelt sich hierbei nicht um Betrug. Ich verlange keine Zahlung von dir, da die 550 Euro zudem erstattungsfähig sind. Es liegt nun ganz bei dir!

Das ist eine beachtliche Schlussnummer: Angeblich werde keine Zahlung verlangt – direkt gefolgt von der Rechtfertigung für genau jene 550 Euro, die Hugo überweisen sollte. Ob die Gebühr angeblich später erstattet wird, ändert nichts daran, dass zunächst echtes Geld auf Privatkonten fließen sollte. Einen Vertrag, eine Rechnung oder einen belastbaren Nachweis für die versprochenen Millionen gab es weiterhin nicht. Danach verstummte der Kontakt.

Fazit

Der Fall zeigt einen klassischen Vorschussbetrug: Eine frei erfundene Millionenspende schafft Hoffnung, persönliche Daten sollen Vertrauen und Bindung erzeugen, und am Ende wird eine angeblich notwendige Gebühr verlangt. Wechselnde Gmail-Adressen, widersprüchliche Referenznummern, Zeitdruck und Zahlungen auf Privatkonten sind dabei unübersehbare Warnzeichen.

Wer eine solche Nachricht erhält, sollte nichts zahlen, keine persönlichen Dokumente versenden und den Kontakt abbrechen. Nachrichten und Kontodaten sollten als Belege gesichert, das Empfängerkonto der betroffenen Bank gemeldet und der Kontakt anschließend blockiert werden. Von den 2,5 Millionen blieb in diesem Fall nur eine Forderung über 550 Euro – und selbst deren Begründung hielt nicht bis zum letzten WhatsApp-Absatz durch. 🚩

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