Dang Hieu und 29,5 Millionen Dollar: Der Bankmanager-Scam aus Vietnam

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Ein unbekannter Bankmanager aus Vietnam, ein seit zwölf Jahren verstorbener Kontoinhaber und 29,5 Millionen US-Dollar ohne Erben: Mehr braucht es offenbar nicht für ein internationales Millionengeschäft. Weil Hugo angeblich denselben Nachnamen wie der Tote trägt, soll er kurzerhand zum nächsten Angehörigen erklärt werden. Die Hälfte des Geldes dürfe er behalten. Was könnte da schon schiefgehen? 💰🏦

Die erste E-Mail von Dang Hieu

Der Absender nennt sich Dang Hieu und schreibt von der Gmail-Adresse dhieu3a2n5@gmail.com. Seine erste Nachricht bleibt bewusst vage. Das angeblich „fruchtbare Geschäft“ soll Neugier wecken, ohne dass Spamfilter oder Empfänger sofort erfahren, worum es geht:

Von: Dang Hieu <dhieu3a2n5@gmail.com>
Betreff: Business Conversation

Dear Friend,

May i believe you’re fine,
I would like to have a business conversation with you and it is a frutful business that will be beneficial to both of us.
Feel free to get back to me for details.

Thanks,

Yours Faithful,
Mr. Dang Hieu.

Kein Firmenname, kein konkreter Anlass, keine Erklärung – nur die Aussicht auf ein Geschäft, das natürlich für beide Seiten vorteilhaft sein soll. Hugo weist höflich darauf hin, dass die Nachricht vermutlich an den Falschen ging:

Dear Mr Dang,

I think you wrote the wrong person.

Best regards,
Hugo

Für einen gewöhnlichen Absender wäre die Sache damit erledigt. Für einen Scammer ist eine Antwort dagegen vor allem ein Lebenszeichen: Die Adresse wird gelesen und der Empfänger ist grundsätzlich gesprächsbereit.

29,5 Millionen Dollar suchen dringend einen Erben

Am nächsten Tag folgt die eigentliche Geschichte. Dang Hieu sei Bankmanager in Vietnam und habe einen Kunden betreut, der 2014 gemeinsam mit seiner Familie bei einem Autounfall in Frankreich ums Leben gekommen sei. Auf dessen Konto lägen seitdem 29.500.000 US-Dollar:

Dear Hugo,

Thanks for your response.
I am a bank manager located in Vietnam, Southeast Asia. I am reaching out to you for a specific reason; one of my deceased clients shares your name. He passed away 12 years ago, leaving behind an account with a balance of 29.5 million United States dollars. Since that time, no relatives have come forward to claim these funds. I believe we can come to an agreement.

Regrettably, my client and his family died in a car accident during the summer of 2014 in France. His account does not list any relatives as next of kin. I have made numerous inquiries with your embassy to locate any of his family members, but to no avail. Consequently, I have decided to search for potential relatives based on the last name. If I do not locate any relatives within 29 days, the account balance of $29,500,000 will revert to the government treasury.

Given that you share the same surname as the deceased account holder, and I have been unable to find any of his relatives, I am now seeking your permission to present you as the next of kin. We would then split the funds 50/50 after the transfer is completed. I believe this is a fair solution rather than allowing the Vietnamese government to seize the money.

I was the personal accountant for the deceased prior to his passing. I possess all the necessary information to facilitate the claim without any complications. My only concern is your ability to maintain confidentiality regarding this transaction to safeguard my position. I assure you that this transaction is entirely risk-free, as I have thoroughly researched and verified its legitimacy as a professional banker before reaching out to you.

If you are interested, please respond, and I will provide you with the necessary steps to claim the funds within one week.

Thank you.

Yours faithfully,
Mr Dang Hieu.
DG Director/Board Member
Pg bank.Hanoi, Ha Noi, VN.

Hugo soll also ohne Verwandtschaftsnachweis als „next of kin“, also als nächster Angehöriger, ausgegeben werden. Dafür verspricht Dang Hieu die Hälfte des angeblichen Vermögens: stolze 14,75 Millionen Dollar. Ein bemerkenswert großzügiges Honorar für die Erlaubnis, bei einer Bank falsche Tatsachen vorzutragen.

So funktioniert der Next-of-Kin-Scam

Die Nachricht ist ein klassischer Next-of-Kin-Scam, eine Variante des Vorschussbetrugs. Die Geschichte wird so gebaut, dass Gier, Zeitdruck und vermeintliche Exklusivität gleichzeitig wirken:

  • Eine enorme Belohnung: 50 Prozent von 29,5 Millionen Dollar lassen alltägliche Zweifel plötzlich klein erscheinen.
  • Eine einfache Verbindung: Der gleiche Nachname soll als angeblicher Beweis für eine Verwandtschaft genügen. In der Mail wird der Name des Verstorbenen allerdings nicht einmal genannt.
  • Künstlicher Zeitdruck: In 29 Tagen falle das Geld angeblich an den Staat. Warum diese Frist nach zwölf Jahren plötzlich läuft, bleibt das Geheimnis des „Bankmanagers“.
  • Verlangte Geheimhaltung: Hugo soll schweigen, damit Dang Hieus Position geschützt bleibt. So sollen Freunde, Angehörige oder echte Bankmitarbeiter von der Geschichte ferngehalten werden.
  • Vorweggenommene Beruhigung: Das Geschäft sei „entirely risk-free“ und vom professionellen Banker persönlich geprüft. Seriös wird ein illegales Vorhaben aber nicht dadurch, dass derjenige, der es vorschlägt, es selbst für unbedenklich erklärt.
  • Kostenloses E-Mail-Konto: Ein angeblicher Direktor und Vorstandsmitglied wickelt ein Geschäft über 29,5 Millionen Dollar über ein gewöhnliches Gmail-Postfach ab.

Das angebliche Erbe existiert nicht. Wer weiterschreibt, soll erfahrungsgemäß zunächst persönliche Daten, Bankverbindungen oder Ausweiskopien liefern. Danach können angebliche Anwaltskosten, Steuern, Freigabegebühren oder Kosten für erfundene Dokumente folgen. Jede Zahlung ist dann angeblich die letzte Hürde vor der Millionenauszahlung – bis die nächste Gebühr auftaucht.

Neben dem finanziellen Schaden droht Identitätsmissbrauch. Ausweiskopien und persönliche Angaben können für weitere Betrugsversuche verwendet oder anderen Opfern als vermeintlicher Echtheitsbeweis präsentiert werden.

Die Warnzeichen auf einen Blick

Wer nach Dang Hieu, dhieu3a2n5@gmail.com, 29,5 Millionen Dollar, „Pg bank Hanoi“ oder einer vergleichbaren Nachricht sucht, sollte nicht antworten und keine Unterlagen verschicken. Besonders verdächtig sind:

  • unaufgeforderte Kontaktaufnahme durch einen angeblichen Bankmitarbeiter,
  • ein Millionenvermögen eines unbekannten Verstorbenen,
  • eine frei erfundene Verwandtschaft nur aufgrund eines Namens,
  • ein Angebot, das Geld heimlich zu teilen,
  • Zeitdruck und die Forderung nach Vertraulichkeit,
  • Kommunikation über eine kostenlose E-Mail-Adresse.

Hugo ist überrascht – aber noch nicht überzeugt

29,5 Millionen Dollar und möglicherweise eine bislang völlig unbekannte Verwandtschaft: Damit hat Hugo nun wirklich nicht gerechnet. Allerdings ist sein Nachname in Deutschland sehr weit verbreitet. Dass irgendein verstorbener Kontoinhaber denselben Namen trägt, macht ihn deshalb noch lange nicht zum Familienmitglied.

Bevor Hugo gedanklich schon einmal den Platz für die Millionen auf seinem Girokonto freiräumt, fragt er lieber nach, wie Dang Hieu ausgerechnet auf ihn gekommen ist:

Subject: Re: Business Conversation

Dear Mr Dang,

Thank you for your explanation. I must admit that I am very surprised about the amount of money and this possible family connection.

However, my surname is very common here in Germany, so I cannot imagine that I am related to your deceased client simply because we have the same name. I am also not aware of any relatives who lived in France or had a bank account in Vietnam.

Could you please tell me the full name of your deceased client and explain how you found me? Do you have any documents or other information showing that there could really be a family connection?

I hope you understand that I have to be careful before I agree to anything.

Best regards,
Hugo

Damit liegt der Ball wieder bei Dang Hieu. Nun darf der angebliche Bankmanager erklären, wie aus einem häufigen deutschen Nachnamen plötzlich eine belastbare Erbenermittlung wurde – und welchen Namen der geheimnisvolle Kontoinhaber überhaupt getragen haben soll. Wir warten gespannt auf die nächste Folge aus der vietnamesischen Millionenabteilung. 🍿

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