4,5 Millionen Euro Erbe aus Istanbul? Die Masche mit der verwaisten Ana Felipe

Inhalt

Post im Posteingang! 📩 Eine 16-Jährige aus Istanbul hat uns kontaktiert, weil sie dringend Hilfe braucht: Ihr verstorbener Vater hinterlässt ihr sagenhafte 4,5 Millionen Euro 💰 – und ausgerechnet wir sollen ihr beim Sichern des Erbes helfen. Voraussetzung? Wir müssen natürlich eine „aufrichtige und gottesfürchtige Person“ sein. 🙏✨

Klingt nach dem nächsten Hollywood-Blockbuster, ist aber in Wahrheit nur die drölfzigste Neuauflage des klassischen Vorschussbetrugs.

Die E-Mail von msanafelipe6@gmail.com - die Masche: Mitleid trifft Millionen 💔💰

Was wir hier sehen, ist der absolut klassische Vorschussbetrug (auch bekannt als Nigeria-Connection oder 419-Scam), frisch aufgewärmt für den modernen Posteingang.

Mein Name ist Ana Felipe, ich bin 16 Jahre alt und komme aus Marmara, Istanbul, Türkei. Es ist mir eine Ehre, Sie per E-Mail zu kontaktieren. Ich bitte Sie um Ihre Aufmerksamkeit. Ich benötige Ihre Hilfe, um mein Erbe von 4,5 Millionen Euro zu sichern, das mir mein verstorbener Vater hinterlassen hat, damit ich meine Ausbildung fortsetzen kann, die durch den plötzlichen Tod meiner Eltern unterbrochen wurde. Es ist absolut risikofrei; nur eine aufrichtige und gottesfürchtige Person sollte sich an mich wenden.

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich unter meiner privaten E-Mail-Adresse msanafelipe6@gmail.com kontaktieren würden, um weitere Informationen über den Anwalt meiner Eltern zu erhalten.

Bitte antworten Sie bald.

Mit freundlichen Grüßen,
Ana Felipe

Die Psychologie dahinter ist denkbar simpel, aber effektiv:

  1. Das Emotionstrigger-Muster: Eine verwaiste 16-Jährige, die ihre Ausbildung fortsetzen möchte 🥺 – das soll Beschützerinstinkte und Mitleid wecken.
  2. Der Gier-Faktor: Nebenbei winken 4,5 Millionen Euro 💶.
  3. Das Vertrauens-Blabla: Begriffe wie „aufrichtig“, „gottesfürchtig“ und das Versprechen „absolut risikofrei“ sollen Zweifel im Keim ersticken.

Schauen wir uns das schriftstellerische Glanzstück von „Ana Felipe“ mal im Detail an. 🔍

Wie die Abzocke funktioniert 🎣💸

Wer auf diese Mail antwortet, landet ganz schnell in einer gut durchdachten Geldwasch-Maschinerie:

  1. Der ominöse Anwalt: „Ana“ wird euch an ihren angeblichen Anwalt oder eine Bank weiterleiten. 📜
  2. Die Gebührenfalle: Um an die 4,5 Millionen Euro heranzukommen, müsst ihr „nur ganz kurz“ ein paar Gebühren im Voraus bezahlen – für Notare, Steuern, Transfergebühren oder Bestechungsgelder. 💳
  3. Der Endlos-Kreislauf: Sobald ihr einmal zahlt, taucht garantiert das nächste „unerwartete Problem“ auf. Das Spiel geht so lange weiter, bis ihr pleite seid oder merkt, dass ihr abgezockt werdet. Das Erbe? Existiert natürlich nur in der Phantasie der Betrüger. 💨

Gibt es „Ana Felipe“ wirklich? 👻

Nein, absolut nicht! ❌

„Ana Felipe“ ist eine reine Erfindung aus der Phantasie eines Abzocker-Kollektivs.

Dafür gibt es ein paar hübsche Indizien:

  • Der Namens-Salat: Ein portugiesisch/spanischer Name für ein angebliches Mädchen aus Marmara/Istanbul? Da hat wohl jemand beim zufälligen Namensgenerator einmal zu viel geklickt. 🎲
  • Die Freemail-Adresse: Ein Multimillionen-Erbe am Start, aber für die Kontaktaufnahme reicht nur eine kostenlose @gmail.com-Adresse (msanafelipe6@gmail.com)? Klar doch. 📧
  • Serienmail-Charakter: Genau dieser Text geht exakt so an hunderte Millionen E-Mail-Adressen weltweit. Manchmal heißt die Waise Ana, manchmal Grace und manchmal sitzt sie nicht in Istanbul, sondern in Lomé oder Ouagadougou.

Fazit: Ein fiktives Schicksal für reale Euro-Beträge. Am besten gar nicht antworten, als Spam markieren und lachend löschen! 🗑️✨


Hugos großer Auftritt: Antwort aus Wanne-Eickel 🚗🐾

Da wir solche Steilvorlagen natürlich nicht ungenutzt verstreichen lassen können, hat unser hauseigener Experte für internationale Finanzgeschäfte – Hugo – direkt die Feder geschwungen.

Für alle, die Hugo noch nicht kennen: Er kommt aus Wanne-Eickel, liebt seinen tiefgelegten Dreier-BMW, teilt sich die Couch mit Dackel Waldi und zeichnet sich durch ein großes Herz sowie eine eher überschaubare Transferleistung aus.

Hier ist Hugos Antwort an die vermeintliche Millionenerbin:

Hallo liebe Ana!

Mensch, das mit deinen Eltern tut mir echt leid! Ich bin der Hugo aus Wanne-Eickel und helfe dir natürlich sofort. Ich bin ein total ehrlicher und gottesfürchtiger Kerl – gehe sogar ab und zu in die Kirche, außer wenn Formel 1 läuft oder Treffen vom BMW-Club ist.

Mein Dackel Waldi hat beim Vorlesen auch direkt geballert, das ist bei ihm ein gutes Zeichen! 4,5 Millionen ist ’ne fette Stange Holz, da ist für mich sicher ein neuer Heckspoiler für meinen E36-Dreier drin und für dich das Schulgeld.

Sag mir einfach, was ich tun muss und wo sich dieser Anwalt melden soll. Ich sitze eh grad auf’m Balkon und hab Zeit!

Röhrende Grüße,

Dein Hugo 🐾🚗💨


Jetzt sind wir natürlich brennend gespannt, ob „Ana“ bzw. ihr dubioser Anwalt auf Hugos Heckspoiler-Finanzierung anspringt.

Phase 2: Die Tränendrüse, 35 % Provision und ein „geheimer“ Nachname 🎭💸

Die Antwort von „Ana“ ließ nicht lange auf sich warten – und sie zieht alle Register des klassischen Betrugs-Drehbuchs!

Hier sind die besten Highlight-Fundstücke aus ihrer ellenlangen Mail:

E-Mail mit Erklärungen

Lieber geliebter Dein Hugo,

Vielen Dank für Ihre umgehende Antwort; sie bedeutet mir sehr viel. Mit allem Respekt und Mitgefühl möchte ich Sie darüber informieren, dass ich Sie kontaktieren möchte. Bezüglich meiner vorherigen E-Mail: Mein Name ist Ana Felipe, ich bin 16 Jahre alt und lebe in Marmara, Istanbul, Türkei. Ich bitte Sie, diesen Brief aufmerksam zu lesen, und entschuldige mich dafür, dass ich Ihnen diese Nachricht ohne vorherige Ankündigung oder formelle Vorstellung sende, da die Angelegenheit sehr dringlich ist. Ich bin auf Ihre E-Mail-Adresse und Kontaktdaten gestoßen, als ich nach einer vertrauenswürdigen Person suchte, die mir als nächste Angehörige helfen könnte, dieses Geld online zu erhalten, da ich noch nicht 18 Jahre alt bin. Ich benötige das Geld dringend, um meine Ausbildung fortsetzen zu können.

Ich schreibe Ihnen diese E-Mail mit Tränen in den Augen und tiefer Trauer über den plötzlichen Tod meiner Eltern. Ich schreibe Ihnen mit Tränen in den Augen und tiefer Trauer über den plötzlichen Tod meiner Eltern.

Kürzlich bat mich ein Bankangestellter, den Anwalt meiner Eltern zu bitten, mir mitzuteilen, dass ich als deren nächster Angehöriger eine Person mit einem guten Herzen benennen solle, die mir hilft, dieses Geld entgegenzunehmen. Sobald ich 18 Jahre alt bin und meine Ausbildung abgeschlossen habe, können Sie das Geld auf mein Konto überweisen, damit ich einen guten Start ins Leben habe. Ich habe mich entschlossen, Sie zu kontaktieren, um Sie um Unterstützung bei der Überweisung des Geldes zu bitten. Außerdem möchte ich einen Teil davon verwenden, um Gottes Namen zu verherrlichen, unabhängig davon, ob Sie Christ, Buddhist, Muslim, Hindu oder einer anderen religiösen Überzeugung angehören. Sie alle sind willkommen, denn meine Eltern haben mir schon als Kind beigebracht, immer denen zu helfen, die in Not sind, insbesondere den weniger Privilegierten.

Ich möchte einen Teil dieses Geldes verwenden, um Gottes Wort durch karitative Arbeit, Hilfe für Arme und Bauprojekte im Gotteshaus (bitte angeben: Moschee oder Kirche) zu verbreiten sowie ein Krankenhaus für krebskranke Waisenkinder zu bauen. Wenn Sie diesem Vorschlag zustimmen, wie ich es beschlossen habe, werden Sie Gottes Segen erhalten. Es scheint, als hätten wir beide den gleichen Nachnamen. Ihr Anteil beträgt 35 %. Ich hoffe, das ist für Sie akzeptabel. Ich werde auch den Anwalt meiner Eltern über diese E-Mail informieren. Wie ich Ihnen bereits in meiner vorherigen E-Mail mitgeteilt habe, ist es völlig risikofrei; ich brauche lediglich die Hilfe einer aufrichtigen und hilfsbereiten Person. Bitte keine betrügerischen Antworten.

Ich habe mich zu dieser Entscheidung entschlossen, da ich das einzige Kind bin, das dieses Geld erben kann, und meine Eltern zu spät kommen. Sobald ich Ihre Antwort erhalte, sende ich Ihnen die Kontaktdaten des Bankmanagers und des Anwalts und füge einen Einzahlungsbeleg bei, der die Verfügbarkeit des Geldes auf dem Bankkonto belegt.

Wenn Sie auf meine E-Mail antworten, senden Sie mir bitte die folgenden Informationen, die der Anwalt meiner Eltern für den Antrag benötigt, falls Sie sich entscheiden, mich vollständig zu unterstützen.

... Informationen:

1. Ihr vollständiger Name:

2. Ihre vollständige Adresse:

3. Ihre Telefonnummer/WhatsApp-Nummer:

4. Familienstand:

5. Ihr Geburtsdatum:

6. Ihr Beruf:

Gott segne Sie und Ihre Familie. Ich freue mich, bald von Ihnen zu hören.

Bitte antworte bald
Aufrichtig
Ana Felipe.

  • Der magische Nachname: Ana behauptet allen Ernstes: „Es scheint, als hätten wir beide den gleichen Nachnamen.“ 🤯 Zur Erinnerung: Hugo hat sich schlicht als „der Hugo aus Wanne-Eickel“ vorgestellt und gar keinen Nachnamen genannt. Aber gut, wer achtet bei 4,5 Millionen Euro schon auf Details?
  • Die 35-%-Möhre: Für Hugos tatkräftige Hilfe winken satte 35 % Provision (schlappe 1,575 Millionen Euro). Der Rest soll in den Bau von Krankenhäusern für Waisenkinder und wahlweise Kirchen oder Moscheen fließen. Hauptsache heilig! 🙏
  • Die Minderjährigkeits-Ausrede: Angeblich verlangt eine ominöse Bank, dass eine erwachsene Vertrauensperson das Geld entgegennimmt, weil Ana erst 16 ist.

Was die Betrüger wirklich wollen: Datensammeln! 🎣

Nach dem ganzen emotionalen Vorgeplänkel kommt die Mail schließlich zum eigentlichen Punkt. Um den angeblichen „Anwalt“ und den „Bankmanager“ einzuschalten, fordert Ana jetzt Hugos komplette Identität an:

  1. Vollständiger Name
  2. Adresse
  3. Telefon-/WhatsApp-Nummer
  4. Familienstand
  5. Geburtsdatum
  6. Beruf

Die Masche dahinter: Das ist der fliegende Wechsel vom reinen Mitleids-Anködern zum Phishing und Identitätsdiebstahl. Mit diesen Daten können Betrüger spätere Fake-Dokumente (z. B. gefälschte Erbscheine) auf den Namen des Opfers ausstellen – oder die Daten für weitere Gaunereien missbrauchen.

Anschließend folgt gewöhnlich der Schritt, bei dem der „Anwalt“ auftaucht und erste Bearbeitungs- und Notargebühren im Voraus verlangt.


Hugos Antwort: Ein Dackel-Omen und die Aral-Tankstelle 🐾🚗

Hugo ließ sich natürlich nicht zweimal bitten. Dass „Ana“ ihm einen gemeinsamen Nachnamen andichten wollte, obwohl er gar keinen genannt hatte, hat unser Wanne-Eickeler Original nicht weiter verwirrt – im Gegenteil: Es wurde als fügungshaftes Schicksal verbucht!

Nach einer kurzen Rücksprache mit seinem Vierbeiner und der fachgerechten Ausfüllung des „Formulars“ ging Hugos Antwort direkt wieder raus nach Istanbul:

Betreff: RE: RE: Dringend!!! 4,5 Millionen Erbe / Dackel Waldi hat entschieden! Hallo liebe Ana, boah ey, dass wir denselben Nachnamen haben, ist ja der Oberhammer! Als ich Waldi deine Mail vorgelesen habe, hat er erst dreimal gebellt und dann auf den Flurläufer gemacht – im Pott ein glasklares Omen vom Himmel! 35 % klingen mega. Einzige Bedingung: Wir müssen Waldi als Ehren-Patron im Waisenkrankenhaus eintragen lassen! Hier sind meine Daten für deinen Anwalt:

  1. Name: Hugo (kennst du ja schon!)
  2. Adresse: Hinter der Aral-Tankstelle, Wanne-Eickel
  3. Telefon: Kein Guthaben, bitte nur per Mail!
  4. Familienstand: Ledig (Waldi schläft im Bett)
  5. Geburtsdatum: 12.08.1984
  6. Beruf: Tuning-Berater & Dackel-Trainer

Sag dem Anwalt Bescheid, ich will endlich den neuen Heckspoiler bestellen! Röhrende Grüße und Wuff, Dein Hugo 🐾🚗💨


Phase 3: Auftritt Kanzlei Gmail & Der Griff nach dem Konto ⚖️💳

Das Drama nimmt Fahrt auf! „Ana“ ignoriert Hugos Aral-Tankstelle komplett und spult starr ihr Betrugsskript ab: Jetzt betritt die vermeintliche Anwältin die Bühne.

E-Mail: Ab geht es zum Anwalt

Lieber geliebter ,

hier ist die E-Mail, die ich vom Büro erhalten habe, das das Konto meiner verstorbenen Eltern bei der Bank verwaltet, wo die Gelder hinterlegt waren. Danke, dass Sie mir Ihre persönlichen Daten mitgeteilt haben. Ich möchte mich aufrichtig entschuldigen, falls diese und meine vorherige E-Mail Sie überrascht haben. Kurz gesagt: Sie sollen wissen, dass Sie als Verwandter meines verstorbenen Mandanten auftreten müssen, damit die Gelder, die meine verstorbenen Eltern bei der Bank für mich hinterlassen haben, freigegeben und zur Aufteilung auf Ihr Konto überwiesen werden können. Ich habe bereits alle notwendigen Vorkehrungen für die erfolgreiche Geltendmachung dieser Gelder getroffen. Da ich zudem der Anwalt bin, der die eidesstattlichen Erklärungen (Affidavits) ausstellt, werde ich persönlich sicherstellen, dass der Anspruch rechtmäßig und ohne Gesetzesverstoß – weder hier noch in Ihrem Land – geltend gemacht wird. Bitte beachten Sie, dass Sie nach Abschluss des Verfahrens und erfolgter Überweisung auf Ihr Konto 35 % der Erbschaftssumme behalten dürfen; mir stehen 60 % zu, sobald ich 18 Jahre alt bin, und die verbleibenden 5 % gehen an ein Waisenhaus.

Der nächste Schritt besteht darin, in Ihrem Namen bei der zuständigen Nachlassbehörde einen Erbschein (Letter of Administration) zu erwirken, der Ihnen die Befugnis verleiht, über den Nachlass des Verstorbenen zu verfügen. Außerdem muss ich Sie bei der Bank in meinem Land, wo das Geld liegt, offiziell als rechtmäßigen Verwandten des verstorbenen Mandanten und somit als rechtmäßigen Begünstigten registrieren lassen. Durch diese beiden Schritte werden Sie legitimiert, den Anspruch auf das Vermögen des Verstorbenen geltend zu machen, und können sich an den Anwalt in meinem Land wenden (siehe E-Mail-Adresse unten), um die Auszahlung offiziell zu beantragen. Damit ich den Erbschein beschaffen und die Registrierung bei der Bank hier vor Ort vornehmen kann, benötige ich von Ihnen folgende Bankdaten:

Name des Kontoinhabers:
Name der Bank:
Adresse der Bank:
Kontonummer:
Bankleitzahl (Routing Number):
SWIFT-Code: (optional)
Telefonnummer:

E-MAIL-ADRESSE DES ANWALTS FÜR DIE EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG ZUR SICHERUNG DIESER GELDER:

Name: Rechtsanwältin Aslıhan Erbaş (AVK Law Office). E-Mail: ahsanchamberin1@gmail.com
Telefon: +90 212 007 32 00
Adresse: Levent, Sümbül Sk. No: 61, 34330 Beşiktaş/İstanbul, Türkei

Ich erwarte Ihre Rückmeldung sowie die oben genannten Bankdaten, damit wir das Verfahren zur Geltendmachung des Anspruchs ohne weitere Verzögerung fortsetzen können. Es ist wichtig, dass wir die gesetzlich vorgeschriebenen Abläufe einhalten; nur so kann der Anspruch rechtlich beglaubigt bzw. genehmigt und Ihr Status als Begünstigter der Gelder offiziell legitimiert werden. Ich möchte sicherstellen, dass die Geltendmachung des Anspruchs und die Überweisung der Gelder risikofrei verlaufen. Daher werden wir das reguläre, rechtmäßige Verfahren für Erbansprüche durchlaufen, um zu gewährleisten, dass es weder jetzt noch in Zukunft zu Problemen kommt.

Abschließend können Sie mir gerne Fragen zu den genannten Punkten stellen, damit ich Ihnen alle Einzelheiten erläutern kann. Ich freue mich auf Ihre Antwort und die Übermittlung der von mir erbetenen Informationen.

Bitte antworte bald
Aufrichtig
Ana Felipe.

Die Highlights aus der aktuellen Mail:

  • Mathe-Magie: 35 % für Hugo, 60 % für Ana, 5 % fürs Waisenhaus. Ehren-Patron Dackel Waldi geht in der Kalkulation leer aus!
  • Anstiftung zur Urkundenfälschung: Hugo soll sich offiziell als „Verwandter“ ausgeben, damit ein gefälschter Erbschein (Letter of Administration) ausgestellt werden kann.
  • Top-Juristin bei Google: Rechtsanwältin Aslıhan Erbaş vertritt angeblich Millionen-Nachlässe in Istanbul, nutzt dafür aber die professionelle E-Mail-Adresse ahsanchamberin1@gmail.com. 📧

Das Ziel: Konto-Phishing 🎣

Die Betrüger verlangen ab sofort konkrete Bankdaten (IBAN, BIC, Bankname).

Die Masche: Die Daten dienen als Steilvorlage für gefälschte Überweisungsbelege. Direkt im Anschluss wird „Anwältin Erbaş“ die ersten Vorauszahlungen für Notar-, Gerichtskosten oder Stempelgebühren verlangen – natürlich per Wire-Transfer.

Wir schicken ein paar falsche Daten und schauen was passiert.


Phase 4: Für 360 Euro zum Millionenerbe – ein echtes Schnäppchen! 💸

Und da ist sie endlich: die erste Rechnung. Nachdem Hugo seine angeblichen Bankdaten geliefert hat, kostet der Weg zu den versprochenen 4,5 Millionen Euro plötzlich 360 Euro. Für internationale Erbschaftsverhältnisse, Anwalt, Bank und Behörden ist das beinahe verdächtig günstig – und genau darin liegt der Trick.

Bei solchen Betrugsmaschen fallen die angeblichen Gebühren oft deutlich höher aus – wenn die Täter zulangen, dann gerne richtig. Die hier verlangten 360 Euro wirken im Verhältnis zu den versprochenen 4,5 Millionen daher fast schon wie ein Sonderangebot. Möglicherweise soll der vergleichsweise niedrige Einstieg lediglich die erste Zahlungshürde senken. Wer einmal überweist, bekommt anschließend erfahrungsgemäß weitere Gebühren, Steuern und plötzlich dringend benötigte Bescheinigungen präsentiert. Das vermeintliche Erbe bleibt dabei stets genau eine Überweisung entfernt.

Ana kommt zur Sache: Gebühren

Lieber geliebter Hugo,

Vielen Dank für die Übermittlung Ihrer Bankdaten; ich habe diese an die ausführende Bank sowie an den Anwalt weitergeleitet, damit die erforderlichen Unterlagen erstellt werden können. Ich möchte mich aufrichtig entschuldigen, falls diese und meine vorherige E-Mail Sie überrascht haben. Hiermit möchte ich Sie darüber informieren, dass alle für die Dokumente benötigten Angaben vorliegen, da ich heute Morgen den Namen der Bank sowie die Adresse von Frau Sara Patrick erhalten habe. Für die Bereitstellung der unten aufgeführten Unterlagen fallen Kosten in Höhe von 360 € an – ein Punkt, auf den ich sie bereits zu Beginn hingewiesen habe.

IRS: 50 €
DC: 100 €
Testament: 130 €
Stempelsteuer: 80 €

Die Unterlagen können bis nächsten Montag fertiggestellt sein (Wochenenden ausgenommen). Dies hängt jedoch davon ab, wann die Zahlung erfolgt. Sollte die Zahlung noch heute oder morgen (Freitag) möglich sein, ist eine Fertigstellung bis Montag sichergestellt.

Bitte veranlassen Sie die Zahlung daher per Banküberweisung, Western Union oder MoneyGram, damit der Betrag umgehend gutgeschrieben werden kann. Sobald Sie mir mitteilen, wann die Zahlung erfolgt, werde ich Ihnen die entsprechenden Daten sowie alle für die Abwicklung erforderlichen Unterlagen zukommen lassen. Nach Geldeingang wird die Bank unverzüglich mit dem Verfahren und der Ausstellung des entsprechenden Erbnachweises (Letter of Administration) beginnen. Wie ich bereits in meiner vorherigen E-Mail erwähnte, ist diese Transaktion zu 100 % risikofrei.

Bitte teilen Sie mir zudem mit, wann und auf welchem Weg (Banküberweisung oder sonstige Methode) Sie die Zahlung vornehmen, damit ich die zuständige Sachbearbeiterin informieren kann. Eine Kopie ihres Personalausweises ist dieser E-Mail beigefügt; sie war die Sachbearbeiterin für das Konto meiner verstorbenen Eltern.

Bitte antworte bald
Aufrichtig

Die Gebührenliste wirkt dabei eher wie das Tagesangebot einer besonders günstigen Fantasiebehörde:

  • IRS – 50 Euro: Was die US-amerikanische Steuerbehörde mit einem angeblichen Nachlass in Istanbul zu tun haben soll, bleibt Anas Geheimnis.
  • DC – 100 Euro: Zwei Buchstaben, null Erklärung, hundert Euro. Bürokratie kann so schön unkompliziert sein.
  • Testament – 130 Euro: Das Dokument, auf dem die ganze Geschichte angeblich beruht, muss offenbar erst jetzt gegen Bezahlung bereitgestellt werden.
  • Stempelsteuer – 80 Euro: Kein Vorschussbetrug ohne einen amtlich klingenden Stempelposten.

Auch der Zeitdruck gehört zur Masche: Wer heute oder spätestens Freitag zahlt, bekommt die Unterlagen angeblich schon am Montag. Western Union und MoneyGram werden ausdrücklich angeboten, weil Zahlungen darüber für Opfer nur schwer zurückzuholen sind. Das wiederholte Versprechen, alles sei „zu 100 % risikofrei“, ist dabei ungefähr so beruhigend wie ein Gebrauchtwagenverkäufer, der ungefragt betont, der Motor brenne fast nie.

Der „Ausweis“ der Sachbearbeiterin: Bild statt Beweis 🪪

Damit die Forderung seriöser aussieht, legt Ana noch den angeblichen Personalausweis der Bankmitarbeiterin bei:

Angeblicher Personalausweis der zuständigen Sachbearbeiterin

Woher dieses Bild tatsächlich stammt, lässt sich anhand der Mail nicht feststellen. Es könnte sich um eine Musterkarte, eine manipulierte Aufnahme oder auch um das Dokument einer unbeteiligten Person handeln. Genau deshalb beweist ein mitgeschicktes Ausweisfoto überhaupt nicht, dass der Absender die abgebildete Person ist oder für eine Bank arbeitet. Solche Dokumente werden bei Betrugsversuchen vor allem eingesetzt, um Seriosität vorzutäuschen und letzte Zweifel vor der ersten Zahlung auszuräumen.

Damit ist die Dramaturgie komplett: erst Mitleid, dann Millionenaussicht, anschließend Datensammlung und schließlich eine überschaubare Vorauszahlung. Das Ausweisfoto soll Vertrauen schaffen, ist aber kein belastbarer Beleg für die Identität des Absenders. Kein Geld überweisen, keine weiteren Daten senden und den Kontakt abbrechen.


Hugos Antwort: Wohin mit dem günstigen Millionenerbe? 🐾💶

Hugo ist selbstverständlich bereit, das internationale Erbschaftswesen mit seinen 360 Euro anzukurbeln. Nur die Zahlungsdaten fehlen noch. Also fragt er lieber ganz genau nach – schließlich soll sein Geld nicht versehentlich beim falschen Testament landen:

Betreff: Zahlung der 360 Euro

Hallo liebe Ana,

360 Euro für Unterlagen zu 4,5 Millionen Euro klingt fair. Ich möchte per Banküberweisung bezahlen, weil Western Union und MoneyGram bei uns nicht direkt um die Ecke sind.

Meine Bank benötigt dafür bitte folgende Angaben:

  • vollständiger Name des Kontoinhabers
  • IBAN beziehungsweise Kontonummer
  • BIC/SWIFT-Code
  • Name und Anschrift der Bank
  • Land des Empfängerkontos
  • genauer Verwendungszweck, den ich eintragen soll

Bitte schreibt mir den Verwendungszweck genauso, wie er auf der Überweisung stehen muss. Nicht dass die 360 Euro am Ende beim falschen Testament landen – Waldi wäre schwer enttäuscht.

Bekomme ich nach der Zahlung außerdem eine offizielle Rechnung oder Zahlungsbestätigung über die vier Gebühren?

Röhrende Grüße Hugo und Dackel Waldi 🐾

Jetzt warten wir gespannt darauf, auf welches Konto die 360 Euro fließen sollen – und welchen kreativen Verwendungszweck die vermeintliche Millionenerbin dafür vorgesehen hat.


Phase 5: Der Sohn des Anwalts soll in Italien kassieren 🇮🇹💸

Ana meldet sich erneut. Die eigentlichen Kontodaten hält sie zwar noch zurück, dafür liefert sie bereits die passende Erklärung, weshalb die angeblichen Gebühren weder an eine Behörde noch an eine Kanzlei gehen sollen: Der Anwalt möchte kurzerhand das italienische Konto seines dort studierenden Sohnes verwenden.

E-Mail: Das Konto des Anwaltssohns in Italien

Lieber geliebter Hugo,

Vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihr freundliches Verständnis bezüglich dieser Transaktion. Ich weiß Ihre Bemühungen in dieser Angelegenheit sehr zu schätzen; ich habe mich bereits mit dem zuständigen Sachbearbeiter und dem Anwalt wegen der 360 € für die oben genannten Gebühren (IRS, DC, Testament, Stempelsteuer) in Verbindung gesetzt, damit alle Dokumente bearbeitet werden und die Transaktion schnellstmöglich erfolgreich abgeschlossen werden kann. Bitte tun Sie alles in Ihrer Macht Stehende, um diese Gelder für mich zu sichern, bis ich das 18. Lebensjahr vollendet habe. Wir werden daher das übliche, rechtmäßige Verfahren für Erbansprüche befolgen, um sicherzustellen, dass weder jetzt noch in Zukunft Probleme auftreten.

Der Anwalt hat mich zudem gebeten, Ihnen bezüglich der Zahlungsabwicklung zu schreiben, damit er seinen im Ausland (in Italien) studierenden Sohn kontaktieren und dessen Kontodaten für die Zahlung erfragen kann. Er hat sich für das Konto seines Sohnes entschieden, da er und seine Frau ein Gemeinschaftskonto führen. Es ist wichtig, dass wir die gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren einhalten; nur so kann der Anspruch rechtlich beglaubigt oder genehmigt werden. Der Anwalt hat mir außerdem mitgeteilt, dass die Fertigstellung aller Dokumente zwei Tage in Anspruch nehmen wird.

Bitte teilen Sie mir dringend mit, wann genau die Zahlung erfolgen kann (heute oder morgen), damit der Anwalt mir die Kontodaten für die Überweisung nennen kann, die ich Ihnen dann in meiner nächsten E-Mail mitteilen werde.

Bitte antworte bald
Aufrichtig
Ana Felipe

Damit liefert die Geschichte gleich mehrere neue Warnsignale:

  • Privatkonto statt Kanzleikonto: Gebühren für angebliche Behörden, ein Testament und eine Stempelsteuer sollen offenbar auf das Konto eines Studenten fließen. Ein seriöser Anwalt würde solche Zahlungen nachvollziehbar über ein Kanzlei-, Geschäfts- oder Anderkonto abrechnen und eine ordentliche Rechnung ausstellen.
  • Italien statt Türkei: Das Erbe, die Bank und die vermeintliche Kanzlei befinden sich angeblich in Istanbul. Weshalb die Zahlung nun ausgerechnet nach Italien gehen soll, erklärt die Geschichte nur mit dem dortigen Studium des Sohnes.
  • Eine Ausrede, die nichts erklärt: Weil der Anwalt mit seiner Frau ein Gemeinschaftskonto führt, soll das Konto seines Sohnes verwendet werden. Das ist kein rechtlicher oder buchhalterischer Grund, sondern wirkt wie eine vorsorgliche Erklärung dafür, dass der spätere Kontoinhaber nicht zur angeblichen Kanzlei passen wird.
  • Der Anwalt wechselt die Rolle: Zuvor wurde ausdrücklich die angebliche Rechtsanwältin Aslıhan Erbaş genannt. Nun ist von einem Anwalt mit Frau und Sohn die Rede. Entweder haben die Betrüger ihr eigenes Drehbuch aus den Augen verloren oder der nächste erfundene Beteiligte wird bereits eingeführt.
  • Erneuter Zeitdruck: Hugo soll dringend bestätigen, ob er „heute oder morgen“ zahlt. Erst danach will Ana die Kontodaten übermitteln. So wird Zahlungsbereitschaft abgefragt, bevor das vermutlich fremde Empfängerkonto preisgegeben wird.

Noch fehlen Name, IBAN und Bank des Empfängers. Deshalb lässt sich derzeit weder feststellen, wer hinter dem Konto steht, noch ob die betreffende Person wissentlich beteiligt ist. Sicher ist nur: Ein italienisches Privatkonto des angeblichen Anwaltssohns ist kein rechtmäßiger Zahlungsweg für türkische Nachlassgebühren. Die angekündigten Kontodaten dürften das nächste interessante Kapitel liefern.

Hugo bestätigt den Zahlungstermin 🐾🏦

Ana wollte zunächst wissen, ob Hugo heute oder morgen zahlen kann, bevor sie die Kontodaten herausrückt. Kein Problem: Hugo bestätigt den Termin und erinnert sie zugleich an die bereits angefragte Rechnung.

Hallo liebe Ana,

ich kann die 360 Euro morgen per Banküberweisung bezahlen. Bitte schick mir jetzt wie angekündigt die vollständigen Kontodaten des Sohnes und den genauen Verwendungszweck.

Die bereits angefragte Rechnung beziehungsweise Zahlungsbestätigung brauche ich bitte ebenfalls.

Sobald die Angaben vollständig sind, kümmere ich mich darum.
Röhrende Grüße
Hugo und Waldi 🐾

Damit liegt der Ball wieder bei Ana. Jetzt muss sie zeigen, wer die 360 Euro tatsächlich erhalten soll – und ob zur italienischen Bankverbindung auch die versprochene Rechnung auftaucht.


Phase 6: Die Bankverbindung ist da – aber der „Sohn“ heißt Ester 💳🇮🇹

Ana hat geliefert: Die 360 Euro sollen tatsächlich auf ein italienisches Konto bei der BBVA überwiesen werden. Nur passt der genannte Zahlungsempfänger nicht so recht zur sorgfältig vorbereiteten Geschichte vom studierenden Sohn des Anwalts.

E-Mail: Die italienische Bankverbindung

Lieber geliebter Hugo,

Vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihr freundliches Verständnis; ich weiß Ihre Bemühungen bezüglich dieser Transaktion sehr zu schätzen. Ich habe den Anwalt sowie den für das Konto meiner verstorbenen Eltern zuständigen Sachbearbeiter darüber informiert, dass Sie die Zahlung heute wie in Ihrer vorherigen E-Mail angekündigt vornehmen werden. Nachstehend finden Sie die Kontodaten des Sohnes des Anwalts für die Durchführung der Zahlung. Zudem hat der Anwalt bereits eine Mitteilung an das Portal für eidesstattliche Erklärungen des Federal High Court gesendet, damit die für den Abschluss des Verfahrens erforderliche eidesstattliche Erklärung unterzeichnet und beglaubigt werden kann. Der nächste Schritt besteht darin, bei der zuständigen Nachlassbehörde einen Erbschein (Letter of Administration) auf Ihren Namen zu erwirken; dieser verleiht Ihnen das rechtliche Befugnis, die Gelder zu verwalten und sowohl jetzt als auch in Zukunft Vertrauen aufzubauen.

Name: Ester Puleo
IBAN: IT35B0357601601010009495425
BIC: BBVAITM2XXX
Land: Italien
Bank: BBVA
Telefonnummer: +39 0428632211
Adresse: VIALE QUATTRO NOVEMBRE 12

Sobald die Zahlung in Höhe von 360 € erfolgt ist, senden Sie mir bitte freundlicherweise eine gescannte Kopie des Belegs zu Dokumentationszwecken; so kann ich diese Kopie zur Bestätigung an den Anwalt weiterleiten. Wie ich Ihnen bereits in meiner vorherigen E-Mail mitgeteilt habe, hat mir der Anwalt versichert, dass die Vorbereitung aller erforderlichen Unterlagen 48 Stunden in Anspruch nehmen wird, damit der Sachbearbeiter die Überweisung schnellstmöglich abwickeln kann.

Bitte antworte bald
Aufrichtig
Ana Felipe.

Was an den Zahlungsdaten auffällt 🔍

  • Aus dem Sohn wird Ester: Ana bezeichnet das Konto erneut ausdrücklich als das Konto des Anwaltssohns. Als Zahlungsempfänger nennt sie jedoch Ester Puleo. Ob die Person hinter dem Namen überhaupt etwas mit der Geschichte zu tun hat, ist völlig offen – zur behaupteten Identität liefert die Mail jedenfalls keinen Nachweis.
  • Noch immer keine Rechnung: Hugo hatte ausdrücklich nach einer offiziellen Rechnung oder Zahlungsbestätigung für die vier Gebühren gefragt. Stattdessen kommt lediglich ein Datensatz aus Name, IBAN, Telefonnummer und Adresse. Eine Kanzlei, Behörde, Rechnungsnummer und ein nachvollziehbarer Verwendungszweck fehlen.
  • Privatkonto für angebliche Behördenkosten: IRS, „DC“, Testament und Stempelsteuer sollen gesammelt an eine Privatperson in Italien gehen. Es gibt keinerlei erkennbare Verbindung zwischen der Kontoinhaberin, der angeblichen Kanzlei in Istanbul und den genannten Gebühren.
  • Ein neues Gericht aus dem Hut: Plötzlich ist ein nicht näher bezeichneter „Federal High Court“ samt Portal für eidesstattliche Erklärungen beteiligt. Welches Gericht in welchem Land gemeint sein soll und weshalb es für den angeblichen Nachlass in Istanbul zuständig wäre, erklärt Ana nicht.
  • Kein Verwendungszweck: Genau danach hatte Hugo gefragt. Die Angabe fehlt trotzdem – vermutlich ist für die Täter nur entscheidend, dass das Geld auf dem Konto eingeht und der Beleg anschließend als Bestätigung geliefert wird.
  • Die Form stimmt, die Geschichte nicht: Die italienische IBAN ist formal prüfziffergültig. Das beweist jedoch lediglich, dass sie syntaktisch korrekt aufgebaut ist – weder die Berechtigung des Empfängers noch die Existenz des Erbes oder der angeblichen Gebühren.

Warum die Betrüger den Überweisungsbeleg wollen 🧾

Der Beleg ist für die Abwicklung eines echten Nachlasses vollkommen wertlos, für die Betrüger aber praktisch: Er bestätigt, dass Hugo gezahlt hat, verrät je nach Darstellung weitere Bankdaten und hilft ihnen, den Zahlungseingang einem Opfer zuzuordnen. Außerdem markiert eine erfolgreiche erste Zahlung Hugo als lohnendes Ziel für die nächste erfundene Gebühr.

Wichtig ist auch hier: Der Name an einer Bankverbindung beweist nicht, dass diese Person den Betrug steuert. Solche Konten können von Finanzagenten geführt, unter falschen Voraussetzungen eröffnet oder mit Daten unbeteiligter Personen beworben werden. Sicher belegt ist nur, dass die Scammer Hugo angewiesen haben, die 360 Euro an diese Bankverbindung zu senden.

Damit ist der Vorschussbetrug endgültig beim entscheidenden Schritt angekommen: Aus 4,5 Millionen Euro auf dem Papier werden 360 echte Euro, die das Opfer zuerst überweisen soll. Wer eine solche Zahlungsaufforderung erhält, sollte nicht zahlen, keinen Beleg schicken und die Bankverbindung zusammen mit dem vollständigen Mailverlauf der eigenen Bank beziehungsweise der Empfängerbank als Betrugsverdacht melden.

Hugo möchte einen Beleg 📄🐾

Ganz so einfach darf Hugo die Dackelkasse natürlich nicht plündern. Seine Bank möchte schließlich wissen, weshalb angebliche Nachlassgebühren an eine Privatperson in Italien überwiesen werden sollen. Deshalb fragt er noch einmal nach einem schriftlichen Beleg:

Betreff: Rechnung oder Zahlungsbeleg für die 360 Euro

Hallo liebe Ana,

vielen Dank, die Bankverbindung habe ich erhalten. Ich wollte die 360 Euro heute überweisen, aber meine Bank benötigt dafür vorher eine Rechnung oder einen entsprechenden schriftlichen Zahlungsbeleg.

Es genügt ein formloses PDF. Darauf sollten bitte der Name des Anwalts beziehungsweise der Kanzlei, der Zahlungsempfänger Ester Puleo, die Kontoverbindung, der Betrag von 360 Euro und die vier Gebühren IRS, DC, Testament und Stempelsteuer aufgeführt sein.

Ohne diesen Beleg darf meine Bank die Überweisung leider nicht ausführen. Bitte senden Sie mir das PDF möglichst bald zu, dann kann ich die Zahlung anschließend veranlassen.

Röhrende Grüße
Hugo und Waldi 🐾

Jetzt sind wir gespannt, ob aus dem angeblichen Anwaltsbüro eine Rechnung kommt – und ob die Scammer darauf erklären können, weshalb Ester Puleo das Geld für türkische Nachlassunterlagen erhalten soll.


Phase 7: Eine „Rechnung“ über 4,5 Millionen Euro? 🧾🔍

Ana antwortet erneut. Ihre E-Mail wiederholt vor allem die bekannte Geschichte: Der Anwalt und der Sachbearbeiter seien informiert, Hugo solle die 360 Euro auf das italienische Konto von Ester Puleo überweisen und danach einen gescannten Zahlungsbeleg schicken. Innerhalb von 48 Stunden würden angeblich die Unterlagen fertig. Eine Erklärung für das Privatkonto oder einen Verwendungszweck liefert sie weiterhin nicht.

Diesmal hängt immerhin ein Bild an. Nur ist es keine Rechnung über die verlangten 360 Euro. Unter dem Logo der türkischen VakıfBank soll es eine bereits abgeschlossene Überweisung über 4,5 Millionen Euro an Hugo zeigen:

Angeblicher VakıfBank-Transferbeleg über 4,5 Millionen Euro an Hugo

Bei genauerem Hinsehen zerfällt der vermeintliche Zahlungsnachweis:

  • Die Reihenfolge stimmt nicht: Ana verlangt erst 360 Euro, damit Dokumente erstellt und das Erbe freigegeben werden können. Ihr Bild meldet die Auszahlung der gesamten 4,5 Millionen Euro aber schon als „Completed“. Warum Hugo dann noch für die angeblich nötigen Unterlagen zahlen soll, bleibt offen.
  • Zwei Banken auf einem Blatt: Oben prangt das VakıfBank-Logo, als abbuchende Bank steht jedoch „Mellat Bank“. Ein nachvollziehbarer Zusammenhang zwischen diesen Angaben fehlt.
  • Ungültige Empfänger-IBAN: Die als Hugos Konto angegebene deutsche IBAN DE34200505503452240341 hat zwar 22 Stellen, fällt aber durch die IBAN-Prüfzifferprüfung. Aus dieser Zeichenfolge ergibt sich bei der Prüfrechnung Rest 85 statt 1. Die Bundesbank erklärt den Aufbau der deutschen IBAN mit Länderkennzeichen und zweistelliger Prüfziffer. Ein Screenshot mit einer ungültigen Empfänger-IBAN belegt keine ausgeführte Millionenzahlung.
  • Bankcode als „Bestätigung“: In der Zeile „Fed/SWIFT Confirmation Number“ steht HASPDEHHXXX. Das ist laut Hamburger Sparkasse deren BIC, also eine Kennung der Bank und keine individuelle Bestätigung dieser Überweisung. Swift beschreibt BICs ausdrücklich als Kennungen für Geschäftspartner und die Weiterleitung von Nachrichten.
  • „Pending“ und „Completed“ zugleich: Das Feld „CEO Tracking Number“ lautet „Pending“, während der Status der Zahlung „Completed“ sein soll. Auch diese Kombination erklärt das Bild nicht.

Die echten Angaben zur Hamburger Sparkasse, etwa Bankleitzahl und BIC, machen den Rest des Blatts nicht echt. Das Bild ist weder die angeforderte Gebührenrechnung noch ein belastbarer Nachweis, dass 4,5 Millionen Euro auf Hugos Konto überwiesen wurden. Die 360 Euro sollen dagegen weiterhin wirklich an das italienische Privatkonto fließen.

Hugo „überweist“ die 360 Euro 🐾💸

Für unseren Scambait haben wir die verlangte Zahlung nur fingiert. Es wurde kein Geld überwiesen. Das eigens erstellte Bild zeigt einen Umsatz über −360 Euro vom 16.09.2026 an Ester Puleo und die von Ana genannte italienische IBAN. Als Verwendungszweck steht dort „ANE FELIPE GEBUEHREN“:

Fingierter Umsatz über 360 Euro an die von Ana genannte Bankverbindung; keine echte Überweisung

Der Screenshot soll im Mailwechsel als Köder dienen; er ist kein Bankbeleg. Gerade deshalb ist der Unterschied wichtig: Eine Bilddatei mit Betrag, Datum und Kontodaten kann jeder zusammenstellen. Ob Geld geflossen ist, lässt sich daraus allein nicht feststellen.

Hugos kurze Antwort an Ana:

Hallo liebe Ana,

die 360 Euro sind heute an Ester Puleo rausgegangen. Den Beleg habe ich angehängt. Sag dem Anwalt bitte Bescheid und schick mir die versprochenen Unterlagen, sobald sie fertig sind.

Röhrende Grüße
Hugo und Waldi 🐾

Mal sehen, ob Ana jetzt wirklich Unterlagen schickt – oder ob als Nächstes eine weitere Gebühr auftaucht.


Phase 8: Der Anwalt braucht noch 24 Stunden ⏳📄

Ana bestätigt den Eingang des Screenshots und hat ihn angeblich an den Anwalt weitergeleitet. Von der eidesstattlichen Erklärung fehlt noch jede Spur. Die zuvor angekündigten 48 Stunden schrumpfen in ihrer neuen Mail auf 24 Stunden:

Lieber geliebter Hugo,

Vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihr freundliches Verständnis. Ich weiß Ihre Bemühungen bezüglich dieser Transaktion zu schätzen; ich habe den Scan des Zahlungsbelegs erhalten und ihn zur Dokumentation an den Anwalt weitergeleitet. Wie ich Ihnen bereits in meiner vorherigen E-Mail mitgeteilt habe, ist eine eidesstattliche Erklärung des Anwalts erforderlich, um den erfolgreichen Abschluss dieser Transaktion zu gewährleisten.

Der Anwalt hat mir erklärt, dass die Erstellung des Dokuments volle 24 Stunden in Anspruch nehmen wird; eine Kopie wird Ihnen umgehend zugesandt, sobald das Dokument fertiggestellt ist.

Ich werde Sie auf dem Laufenden halten, sobald der Anwalt das Dokument fertiggestellt hat.

Bitte antworte bald
Aufrichtig
Ana Felipe.

Der Beleg ist angekommen, das Dokument bleibt unsichtbar. Ob nach den 24 Stunden tatsächlich etwas kommt, ist offen. Waldi bewacht vorsichtshalber schon mal den Briefkasten. 🐾

Hugos kurze Antwort für Ana:

Hallo liebe Ana,

danke für die Nachricht. Ich warte auf die eidesstattliche Erklärung und gebe Waldi Bescheid, dass er den Briefkasten noch 24 Stunden bewachen soll. 🐾

Röhrende Grüße
Hugo


Phase 9: Vier Mails – jetzt wird Druck gemacht 📬⏰

Von den versprochenen Unterlagen fehlt weiterhin jede Spur. Stattdessen schreibt Ana gleich viermal und erhöht den Druck: Hugo soll sich dringend melden, bei seiner Bank nachhaken und erklären, warum das Geld noch nicht auf dem Konto des angeblichen Anwaltssohnes angekommen ist.

Vier kurz hintereinander gesendete E-Mails von Ana Felipe

In ihrer jüngsten Nachricht heißt es:

Lieber geliebter Hugo,

Bitte geben Sie mir Bescheid, sobald Sie von der Bank zurück sind, damit ich dem Anwalt mitteilen kann, wann das Geld auf dem Konto seines Sohnes eingehen wird. Der Anwalt erwartet weiterhin schnellstmöglich eine Rückmeldung von Ihnen; hiermit möchte ich Sie darüber informieren, dass die Zahlungsbestätigung noch aussteht. Sie hatten gestern – am Freitag – zugesagt, bei der Bank zu klären, warum der Geldeingang noch nicht verbucht wurde.

Ich erwarte Ihre dringende Rückmeldung zu dieser E-Mail und bitte Sie, mich auf dem Laufenden zu halten.

Bitte antworte bald
Aufrichtig
Ana Felipe.

Die Wortwahl ist kein Zufall: „dringend“, „schnellstmöglich“ und der angeblich wartende Anwalt sollen Hugo zum Handeln bringen. Gleichzeitig verschiebt sich die Geschichte erneut. Zuvor hatte Ana den Zahlungsbeleg bereits erhalten und an den Anwalt weitergeleitet; jetzt soll Hugo plötzlich beweisen, wann das Geld eingeht. Die versprochene eidesstattliche Erklärung bleibt derweil verschwunden.

Die Bank hält die Überweisung zurück 🏦✋

Hugo dreht den Spieß um: Seine Bank habe die Überweisung wegen Betrugsverdachts zurückgehalten. Bevor sie das Geld freigibt, möchte die Mitarbeiterin erst die von Ana angekündigten Unterlagen prüfen. Damit liegt der nächste Schritt wieder bei Ana und ihrem angeblichen Anwalt:

Hallo liebe Ana,

ich war heute bei meiner Bank. Die Überweisung wurde zunächst zurückgehalten, weil die Dame am Schalter vermutet, dass es sich um einen Betrug handeln könnte.

Ich habe ihr von den angekündigten Dokumenten und der eidesstattlichen Erklärung erzählt. Sie meinte, ich solle mir diese unbedingt vorab zuschicken lassen, damit die Bank alles prüfen kann. Erst danach kann die Überweisung freigegeben werden.

Bitte sende mir deshalb die vollständigen Dokumente des Anwalts so schnell wie möglich zu.

Röhrende Grüße
Hugo und Waldi 🐾

Nun muss Ana entweder die längst versprochenen Dokumente liefern oder eine neue Ausrede erfinden. Wir sind gespannt, wie sie auf den Betrugsverdacht der Bank reagiert.


Phase 10: Keine Unterlagen ohne Geld – dafür MoneyGram und Vertrauen ⚖️💸

Ana hat sich entschieden: Statt der Bank die angekündigten Unterlagen zur Prüfung vorzulegen, präsentiert sie eine neue Begründung, weshalb Hugo zuerst zahlen müsse. Angeblich untersagten Richtlinien der Union der türkischen Anwaltskammern (UTBA) dem Anwalt, Dokumente vor der Begleichung seines Honorars herauszugeben. Einen schriftlichen Nachweis für diese Behauptung liefert sie allerdings nicht.

Lieber geliebter Hugo,

Vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihre Bemühungen bezüglich dieser Transaktion. Ich habe heute Morgen mit dem Anwalt gesprochen; er hat mir erklärt, dass die Richtlinien der Union der türkischen Anwaltskammern (UTBA) die Herausgabe von Dokumenten ohne vorherige Begleichung der Anwaltshonorare untersagen. Bitte teilen Sie mir mit, wie Sie die Zahlung vornehmen können. Es wird zudem empfohlen, den Betrag per MoneyGram oder Ria Money Transfer zu überweisen, um Verzögerungen zu vermeiden. Sie sind meine einzige Hoffnung, um diese Gelder zu sichern.

Herr Hugo, ich möchte Sie darauf hinweisen, dass es sich hierbei um eine absolut seriöse und echte Angelegenheit handelt. Sowohl der Anwalt als auch der zuständige Sachbearbeiter sind bereit und willens, eine reibungslose Abwicklung zu gewährleisten – vorausgesetzt, wir begegnen einander ehrlich. Ich gebe Ihnen eine hundertprozentige Garantie, dass Sie den besagten Geldbetrag ohne Probleme oder Enttäuschungen erhalten werden.

Verweilen Sie nicht bei dem, was schiefgelaufen ist. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf die nächsten Schritte. Investieren Sie Ihre Energie darin, voranzukommen und eine Lösung zu finden. Bringen Sie einander immer wieder Vertrauen entgegen. Wenn das Vertrauen groß genug ist, überwinden Menschen scheinbare Grenzen und entdecken neue, großartige Fähigkeiten, derer sie sich zuvor nicht bewusst waren.

Bitte antworten Sie mir so bald wie möglich, damit ich den Anwalt und den Sachbearbeiter darüber informieren kann, wann die Zahlung erfolgen wird.

Bitte antworte bald
Aufrichtig
Ana Felipe.

Die neue Erklärung löst das Problem nicht, sondern verschärft die Warnzeichen:

  • Behauptung statt Beleg: Ana nennt eine angebliche Richtlinie, übermittelt aber weder deren genaue Fundstelle noch ein Schreiben des Anwalts oder der Anwaltskammer.
  • Keine prüffähige Rechnung: Hugo hat noch immer keinen schriftlichen Nachweis, aus dem Kanzlei, Leistung, Betrag, Zahlungsempfänger und Rechtsgrundlage der Forderung hervorgehen.
  • Ausweichen auf Bargeldtransferdienste: Statt einer nachvollziehbaren Zahlung an ein Kanzleikonto werden nun MoneyGram oder Ria empfohlen. Das umgeht gerade die Prüfung, auf der Hugos Bank besteht.
  • Druck durch Vertrauen: Die „hundertprozentige Garantie“, der Appell an Ehrlichkeit und die Behauptung, Hugo sei Anas „einzige Hoffnung“, sollen eine sachliche Prüfung durch emotionale Verpflichtung ersetzen.

Vor allem widerspricht die Mail der bisherigen Geschichte: Die 360 Euro wurden zuvor als Kosten für IRS, „DC“, Testament und Stempelsteuer bezeichnet. Nun werden daraus plötzlich Anwaltshonorare. Auch der Empfänger bleibt ungeklärt – bislang sollte das Geld an Ester Puleo beziehungsweise auf das Konto des angeblichen Anwaltssohnes gehen, nicht auf ein eindeutig ausgewiesenes Kanzleikonto.

Hugos Antwort: Ohne schriftlichen Nachweis geht nichts 🏦📄

Hugo bleibt bei der Vorgabe seiner Bank. Eine Zahlung über MoneyGram oder Ria kommt nicht infrage; erst muss ein prüffähiger schriftlicher Nachweis vorliegen:

Hallo liebe Ana,

ich habe noch einmal mit meiner Bank gesprochen. Leider darf ich die Zahlung weder per MoneyGram noch per Ria Money Transfer vornehmen, solange kein schriftlicher Nachweis des Anwalts vorliegt.

Bitte sende mir deshalb ein offizielles Schreiben oder eine Rechnung der Kanzlei. Darauf müssen der vollständige Name und die Anschrift der Kanzlei, der Name des Anwalts, der Zahlungsempfänger, der Betrag von 360 Euro, der genaue Grund für die Gebühren und die zugehörige Kontoverbindung stehen. Bitte füge außerdem die genaue Richtlinie der türkischen Anwaltskammer bei, auf die sich der Anwalt beruft.

Sobald meine Bank diese Unterlagen geprüft und die Zahlung freigegeben hat, kann ich die nächsten Schritte mit ihr abstimmen. Ohne diesen schriftlichen Nachweis kann ich leider nichts weiter veranlassen.

Bitte schicke mir die Unterlagen so bald wie möglich.

Röhrende Grüße
Hugo und Waldi 🐾

Damit ist die Lage eindeutig: Nicht Hugo muss erneut „Vertrauen“ beweisen, sondern der angebliche Anwalt muss seine Forderung endlich schriftlich und überprüfbar belegen. Solange das nicht geschieht, gibt es weder eine Überweisung noch einen Bargeldtransfer – und ohne Nachweis geht die Geschichte nicht weiter.


Phase 11: Die eidesstattliche Erklärung ist da – und bringt Indien gleich mit 📜🌍

Von wegen Funkstille: Ana antwortet doch noch. In ihrer Mail fordert sie erneut eine Zahlung per MoneyGram oder Ria und erklärt Hugo abermals zu ihrer „einzigen Möglichkeit“, die angeblichen Gelder zu erhalten. Neu ist ein vorangestellter Hinweis, wonach Hugo erst einen Zahlungstermin nennen soll, damit ihm anschließend die Kontodaten mitgeteilt werden können:

E-Mail: Erst zahlen, dann gibt es Kontodaten

Lieber geliebter Hugo,

HINWEIS: Bitte teilen Sie mir mit, wann die Zahlung heute oder morgen erfolgen kann, damit ich Ihnen die Kontodaten übermitteln kann. So lässt sich die Überweisung veranlassen und der Betrag schnellstmöglich auf Ihrem Konto gutschreiben. Wie ich bereits in meiner letzten E-Mail erwähnte, sind Sie meine einzige Möglichkeit, diese Gelder in Empfang zu nehmen – und wenn wir einander vertrauen, werden wir nicht enttäuscht werden.

Vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihre Bemühungen bezüglich dieser Transaktion. Ich habe heute Morgen mit dem Anwalt gesprochen; er hat mir erklärt, dass die Richtlinien der Union der türkischen Anwaltskammern (UTBA) die Herausgabe von Dokumenten ohne vorherige Begleichung der Anwaltshonorare untersagen. Bitte teilen Sie mir mit, wie Sie die Zahlung vornehmen können. Es wird zudem empfohlen, den Betrag per MoneyGram oder Ria Money Transfer zu überweisen, um Verzögerungen zu vermeiden. Sie sind meine einzige Hoffnung, um diese Gelder zu sichern.

Herr Hugo, ich möchte Sie darauf hinweisen, dass es sich hierbei um eine absolut seriöse und echte Angelegenheit handelt. Sowohl der Anwalt als auch der zuständige Sachbearbeiter sind bereit und willens, eine reibungslose Abwicklung zu gewährleisten – vorausgesetzt, wir begegnen einander ehrlich. Ich gebe Ihnen eine hundertprozentige Garantie, dass Sie den besagten Geldbetrag ohne Probleme oder Enttäuschungen erhalten werden.

Verweilen Sie nicht bei dem, was schiefgelaufen ist. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf die nächsten Schritte. Investieren Sie Ihre Energie darin, voranzukommen und eine Lösung zu finden. Bringen Sie einander immer wieder Vertrauen entgegen. Wenn das Vertrauen groß genug ist, überwinden Menschen scheinbare Grenzen und entdecken neue, großartige Fähigkeiten, derer sie sich zuvor nicht bewusst waren.

Bitte antworten Sie mir so bald wie möglich, damit ich den Anwalt und den Sachbearbeiter darüber informieren kann, wann die Zahlung erfolgen wird.

Bitte antworte bald
Aufrichtig
Ana Felipe.

Der bemerkenswerte Teil steckt im Anhang: Ana liefert nun tatsächlich die seit Tagen angekündigte „eidesstattliche Erklärung“. Das Blatt soll vom „Supreme Court of Appeals Turkey“ in Ankara stammen, trägt ein Yargıtay-Logo, mehrere Stempel und bestätigt angeblich Hugos Anspruch auf 4,5 Millionen Euro:

Angebliche eidesstattliche Erklärung des türkischen Kassationshofs für Hugo

Was das Dokument selbst verrät 🔍

Das Blatt widerspricht sich an fast jeder entscheidenden Stelle:

  • Ein Revisionsgericht als Erbschaftsschalter: Der echte türkische Yargıtay ist der Kassationshof. Nach der offiziellen Beschreibung des türkischen Justizministeriums überprüft er als letzte Instanz Entscheidungen der ordentlichen Gerichte. Das Ausstellen einer privaten Erklärung zur Freigabe eines Bankguthabens gehört nicht zu der auf dem Dokument behaupteten Rolle.
  • Falsche Namen und falsches Recht: Auf seiner offiziellen Website heißt das Gericht Türkiye Cumhuriyeti Yargıtay Başkanlığı – nicht „TÜRKİYE YÜKSEK AYRIMI“. Zugleich beruft sich das angeblich türkische Dokument ausdrücklich auf indisches Recht und ein falsch geschriebenes „HIGHT COURT OF JUSTICE“.
  • Der IWF als Nachlassabteilung: Angeblich hätten der Internationale Währungsfonds und das türkische Finanzinstitut gemeinsam die Freigabe beschlossen. Der IWF beschreibt seine Aufgaben als wirtschaftspolitische Überwachung, Finanzierung von Mitgliedstaaten sowie technische Hilfe. Private Erbschaften einzelner Bankkunden gibt er nicht frei.
  • Bank und Anwalt wechseln: Im Text liegt das Geld bei der VakıfBank, unterschrieben wird angeblich von der İşbank. Aus der zuvor genannten Anwältin Aslıhan Erbaş wird außerdem ohne Erklärung Ahsan Malik.
  • Nicht überprüfbar: Aktenzeichen, Kammer, ausgeschriebener Name des Richters und eine amtliche Prüfmöglichkeit fehlen. Dafür gibt es mehrere Stempel, unleserliche Unterschriften und ein Formularfragment über verstorbene Verwandte, zu dem die passende Liste fehlt.

Damit hat Ana zwar ein Dokument geliefert, aber noch immer keine Rechnung über 360 Euro und keinen Beleg für die angebliche UTBA-Richtlinie. Ein Logo und einige Stempel ersetzen keine überprüfbaren Angaben.

Hugo fragt bei der türkischen Botschaft nach 🐾📞

Hugo bedankt sich zunächst und kündigt an, das Dokument wegen der Ungereimtheiten unabhängig prüfen zu lassen:

Hallo liebe Ana,

vielen Dank für das Dokument. Ich war heute bereits bei meiner Bank und habe es dort vorgelegt. Wegen einiger Ungereimtheiten hat man mir empfohlen, die Unterlagen noch einmal mit der türkischen Botschaft abzuklären.

Dort werde ich nachher noch anrufen. Sobald ich eine Rückmeldung habe, melde ich mich wieder bei dir.

Röhrende Grüße
Hugo und Waldi 🐾

Jetzt warten wir ab, was die türkische Botschaft angeblich zu dieser internationalen Stempelsammlung sagen soll – und wie Ana auf Hugos angekündigte Prüfung reagiert.


Phase 12: Die Botschaft warnt vor Betrug – Hugo stoppt die Zahlung 🚨🏦

Nach dem Telefonat mit der türkischen Botschaft zieht Hugo die Notbremse. Dort habe man ihm erklärt, dass die gesamte Geschichte nach einem Betrugsversuch aussehe. Deshalb hat er die angekündigte Überweisung bei seiner Bank stornieren lassen. Nun steht sogar im Raum, dass die Bank den Vorgang anzeigt und sich die Polizei bei ihm meldet.

Hallo liebe Ana,

ich habe heute mit der türkischen Botschaft telefoniert und dort die ganze Angelegenheit geschildert. Man hat mir sehr deutlich gesagt, dass es sich dabei vermutlich um Betrug handelt und dass ich auf keinen Fall Geld überweisen soll.

Ich bin jetzt völlig verunsichert. Deshalb habe ich meine Bank sofort gebeten, die Überweisung zu stornieren. Die Bank prüft den Vorgang nun genauer. Es kann sogar sein, dass sie Anzeige erstattet und sich deshalb in den nächsten Tagen die Polizei bei mir meldet.

Unter diesen Umständen werde ich vorerst keine weitere Zahlung veranlassen. Ich muss jetzt abwarten, was meine Bank und möglicherweise die Polizei mir raten.

Rührende Grüße
Hugo und Waldi 🐾

Damit prallen Anas Vertrauensappelle erstmals auf eine unabhängige Prüfung mit möglichen Konsequenzen. Statt einen Zahlungstermin zu nennen, macht Hugo klar, dass die Überweisung gestoppt ist und Bank sowie Behörden eingeschaltet sein könnten. Für die Absender wird es nun unangenehm: Jeder weitere Versuch, Druck aufzubauen oder neue Zahlungswege vorzuschlagen, würde den Betrugsverdacht nur noch verstärken.

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