Hi pervert! Angeblicher Hacker fordert 1.300 Dollar in Bitcoin
Inhalt
„Hi pervert!“ – so beginnt eine E-Mail, die offenbar direkt aus dem Handbuch für besonders einfühlsame Kundenkommunikation stammt.
Der Absender behauptet, unseren Computer vollständig übernommen, die Webcam aktiviert und bei angeblich sehr privaten Aktivitäten ein Video aufgenommen zu haben. Für schlappe 1.300 US-Dollar in Bitcoin soll dieses kompromittierende Meisterwerk dann gelöscht werden.
Die E-Mail
Hi pervert!
Would ṗrefer to notįfy myself - I am a eẋṕert ḯntruder, and have succeeded ïn hackîng your oṕeratḯng system. At thīs moment, I have secured a total control to your profile.
On toṕ of that, I was also secretly monḯtorḯng all your oṗeratĭons and eavesdroṗṗíng on you for a several ṕast weeks. It was feasíbly because your ƤC was comṕromísed wįth malîcîous sṗyware, whìch ïnfïltrated your comṗuter whíle you were accessĩng a sîte contaḯnḯng adult videos.
Grant me a few seconds to elucídate how that affects you. Because of trojan horse vḯruses, I am now able to maĭntaĭn an unrestrícted access to your devḯce as well as any other devĩces owned by you. In sīmṕle terms, I can vįew wĩthout any boundarîes everythḯng on your dḯsṕlay and even turn on the camera together wïth audḭo ìnṕut anytîme I desįre, and you wḭll not even be aware about that.
Also, I have absolute access to confīdentīal ḭnformatḭon of yours ḭncludḭng corresṕondence, chat hĭstory, etc. You may be legítímately ṗuzzled how come your antḯvḯrus īs not able to fĭnd the dangerous malware of mįne. I don’t care to eẋṗlaḭn that at all: my dangerous ṗrogram ḭs drḯver-based; hence ît uṕdates íts īdentīfīers every four ṗerḭods, whĭch makes ît challengįng for your securḭty software to recognïze it.
I have develoṕed a vīdeo eẋṕosįng the moments of your ìntìmate self-ṗleasure on the left ṗanel, whereas on the rìght vḯew ít shows the eẍṕlícít clįṕs you were vḭewḭng duríng that ṕerįod. Have faĩth, ït needs several clīcks to dĭstrĭbute thís recordīng to your full emaįl addresses as well as socíal medïa contacts on your ƤC or other devḯces. Addḯtḯonally, I can quíckly share all your messages as well as messages to the audîence too.
I honestly thínk you would defḭnḭtely līke to abstaîn from allowḭng that haṕṕen. There ïs a solutïon for you ḭn thís case - ṗerform a 1300 US currency ṕayment ḭn cryṕtocurrency equívalent to my Bítcoín wallet address ìt’s really not dīffīcult to do, and you can look uṕ onlĭne the comṕrehensįve manual įf you have no ĭdea about īt. My Bïtcoín account: bc1q9jer3auc5f96q2ff6te07u99py8vhx3xqy8mud
Once the above-mentḭoned amount gets transferred to my wallet, I wīll ḯmmedḯately erase all those ṕrĭvate footage and evaṗorate from your eẍĭstence entĩrely. Ᵽlease, fḯnalḯze thîs ṕayment wĩthĩn 2 days. A alert wḭll be sent to me ĭmmedĭately after thĭs message gets read, whḯch wīll start the clock.
Trust me, I am very cautĭous, ṗrofessīonal, and never falter. If I fínd out about you sharíng thḭs letter wįth thïrd ṕartìes, I wíll ĭmmedĭately broadcast your confïdentïal clĭṗs to the public.
Wishing you success!
Der angebliche Superhacker
Der Absender präsentiert sich als technisches Universalgenie. Betriebssystem gehackt, Webcam übernommen, Mikrofon aktiviert, Nachrichten gelesen und sämtliche Kontakte kopiert – offenbar alles gleichzeitig und ohne auch nur einen einzigen Beweis vorzulegen.
Besonders beeindruckend ist die Erklärung, warum kein Virenscanner etwas bemerkt:
„My dangerous program is driver-based.“
Außerdem soll die Schadsoftware ihre „Identifizierer alle vier Perioden“ ändern. Was genau eine Periode in diesem Zusammenhang ist, bleibt vermutlich Teil des streng geheimen Hackerwissens.
Warum die seltsamen Buchstaben?
In der Nachricht wurden zahlreiche normale Buchstaben durch ähnlich aussehende Unicode-Zeichen ersetzt. Aus einem normalen „i“ wird beispielsweise ein „ḯ“, „į“ oder „ī“.
Das ist keine futuristische Hackerschrift, sondern soll vermutlich Spamfilter austricksen. Für Menschen bleibt der Text halbwegs lesbar, während automatische Filtersysteme einzelne Begriffe möglicherweise schlechter erkennen.
Der Nebeneffekt: Die Nachricht sieht aus, als hätte jemand eine englische Erpressungsmail durch einen defekten Zeichensatzmixer gedreht.
Was steckt dahinter?
Diese Masche wird häufig als Sextortion-Scam bezeichnet. Dabei versenden Betrüger massenhaft nahezu identische E-Mails an beliebige Adressen.
Die Täter hoffen, dass einige Empfänger tatsächlich Webseiten mit Erwachsenenunterhaltung besucht haben, eine Webcam besitzen oder sich einfach durch die Behauptungen verunsichern lassen.
Konkrete Beweise liefert der Erpresser nicht:
- kein Screenshot,
- kein Ausschnitt aus dem angeblichen Video,
- kein Dateiname,
- keine persönliche Information,
- keine Auflistung tatsächlich verwendeter Geräte.
Stattdessen gibt es möglichst dramatische Behauptungen, eine kurze Frist und eine Bitcoin-Adresse.
Die Sache mit dem Lesealarm
Der Absender behauptet, dass beim Öffnen der Nachricht automatisch ein Alarm ausgelöst werde und anschließend die Zwei-Tages-Frist beginne.
Auch das dient hauptsächlich dazu, Zeitdruck aufzubauen. Die Empfänger sollen nicht nachdenken, recherchieren oder jemanden fragen, sondern möglichst schnell zahlen.
Passend dazu wird ausdrücklich davor gewarnt, die Nachricht mit Dritten zu teilen. Aus Sicht des Betrügers verständlich: Wer die E-Mail anderen zeigt, erfährt wahrscheinlich ziemlich schnell, dass es sich um Massenware handelt.
Warum man nicht antworten sollte
Auf solche Nachrichten sollte man weder antworten noch zahlen.
Eine Antwort bestätigt, dass die angeschriebene Adresse aktiv genutzt wird. Dadurch kann sie für weitere Betrugsversuche interessanter werden.
Eine Zahlung ist ebenfalls keine Garantie dafür, dass anschließend Ruhe herrscht. Im Gegenteil: Wer einmal zahlt, hat bewiesen, dass er erpressbar ist. Weitere Forderungen könnten folgen.
Bitcoin-Zahlungen lassen sich zudem nicht einfach zurückholen.
Was sollte man tun?
Die E-Mail kann als Spam beziehungsweise Phishing markiert und anschließend gelöscht werden.
Wer trotzdem unsicher ist, kann vorsichtshalber:
- das Betriebssystem und Programme aktualisieren,
- einen vollständigen Virenscan durchführen,
- wichtige Passwörter ändern,
- für wichtige Konten die Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren.
Taucht in einer solchen Mail tatsächlich ein altes Passwort auf, stammt dieses häufig aus einem früheren Datenleck. Das beweist nicht, dass der Computer aktuell gehackt wurde. Das betroffene Passwort sollte dann aber überall ersetzt werden, wo es noch verwendet wird.
Fazit
Der selbst ernannte „expert intruder“ hat vermutlich weder die Webcam übernommen noch ein geheimes Video erstellt. Wahrscheinlicher ist, dass dieselbe Nachricht gleichzeitig an Tausende Empfänger verschickt wurde.
Die Mischung aus Scham, Angst, technischem Kauderwelsch und Zeitdruck soll das Denken ausschalten und die Bitcoin-Zahlung beschleunigen.
Also: nicht zahlen, nicht antworten und nicht von den dekorativen Sonderzeichen beeindrucken lassen. Der gefährliche Super-Trojaner ist in diesem Fall sehr wahrscheinlich nur eine schlecht formatierte E-Mail.
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