Post von Elon Musk: Wie ich an einem Vormittag 4 Millionen Dollar in SpaceX-Aktien „gewonnen“ habe

Inhalt

Manchmal muss man einfach Glück haben im Leben. Da wacht man morgens auf, checkt sein Postfach, und stellt fest, dass man quasi über Nacht zum Multimillionär befördert wurde – zumindest, wenn man den Absendern dubioser Spam-Mails Glauben schenken mag. In meinem neuesten Fundstück der Kategorie „Zu gut, um wahr zu sein“ schreibt mir kein Geringerer als der reichste Mann der Welt, um mir ein paar ungenutzte Firmenanteile zu vermachen.

Die E-Mail von elonmuskspacexteam3@gmail.com

Es ist wirklich rührend, wie bodenständig Milliardäre sein können. Elon Musk hat anscheinend so viel Freizeit, dass er den offiziellen Börsengang von SpaceX schwänzt, um stattdessen mit einer kostenlosen Gmail-Adresse (elonmuskspacexteam3@gmail.com) zufällige Leute aus Datenbanken anzuschreiben. Und die Großzügigkeit erst: Warum sollte man Anteile an die Wall Street bringen, wenn man sie auch einfach an einen Blogger in Deutschland verschenken kann? Wer bei dieser Absenderadresse und den krummen Summen keine Tränen der Rührung (oder des Lachens) in den Augen hat, dem ist wohl auch nicht mehr zu helfen.

Hier ist das Prachtexemplar im Originalwortlaut:

Hallo!

Diese Nachricht stammt von Elon Musk, Gründer, CEO und Chefingenieur von SpaceX; Frühphaseninvestor, CEO und Produktarchitekt von Tesla, Inc.; Gründer von The Boring Company; und Mitgründer von Neuralink und OpenAI. Mit einem geschätzten Vermögen von ca. 1,11 Billionen US-Dollar freue ich mich, Ihnen mitteilen zu können, dass Ihre E-Mail-Adresse zufällig aus einer Kontaktdatenbank in den USA, Kanada und Europa ausgewählt wurde.

Herzlichen Glückwunsch! Sie haben 26.095 Aktien der Space Exploration Technologies Corp (SPCX) im Wert von ca. 4.199.990,25 US-Dollar zu einem Preis von 160,95 US-Dollar pro Aktie gewonnen.

Nehmen Sie diese Chance bitte ernst. Um Ihren Gewinn einzulösen, antworten Sie bitte auf diese E-Mail oder kontaktieren Sie uns direkt unter elonmuskspacexteam3@gmail.com

Wir wünschen Ihnen viel Glück!

Mit freundlichen Grüßen,
Elon Musk und das Team
CEO und Chefingenieur, SpaceX
Frühphaseninvestor


Der Gegenangriff: Hugo aus Wanne-Eickel schlägt zurück

Weil so viel vorbildliche Großzügigkeit natürlich nicht unbeantwortet bleiben darf, habe ich mich kurzerhand in meine absolute Lieblingsrolle geworfen: Hugo aus Wanne-Eickel. Selbst ernannter Kleinaktionär, bodenständig, chronisch durstig und absolut bereit, die 4 Millionen Dollar in Empfang zu nehmen. Wenn Elon schon die Zeit hat, mir zu schreiben, dann tippe ich doch gerne eine Antwort zwischen Vorortzug und Schrebergarten-Idylle.

Ich habe dem “SpaceX-Team” also erst mal signalisiert, dass wir hier im Ruhrpott Chancen durchaus beim Schopf packen – und ganz unschuldig nachgefragt, wie wir die Kuh denn nun vom Eis kriegen.

Hier ist meine Antwort an den Tech-Milliardär:

Glückauf Herr Musk!

Hömma, mich hat ja fast der Schlag getroffen, als ich dicken Fisch in mein Postfach gefunden hab! Ich sach dir ehrlich: Ich bin ja selbst ein kleiner Knopp an der Börse und hab ein paar Groschen in Telekom-Aktien stecken, aber dat hier schießt ja wohl den Vogel ab! 4 Millionen Dollar – da fällt mir glatt die Currywurst aus dem Gesicht!

Dat die Wahl ausgerechnet auf meine Wenigkeit hier in Wanne-Eickel gefallen ist, det is wie Sechser im Lotto mit Zusatzzahl. Ich nehm die Chance natürlich pudelernst, keine Frage. Da lässt man sich nicht zweimal bitten, wenn das SpaceX-Team anklopft.

Erzähl mal, wie läuft dat Ganze jetzt genau ab? Braucht ihr meine Depotnummer von der Sparkasse oder schickt ihr mir die Papiere per Einschreiben? Schreib mir einfach, was Sache ist und wat ihr von mir braucht, damit wir die Kuh vom Eis kriegen.

Besten Gruß aus’m Pott und danke für die fette Bescherung,

Hugo

Man darf gespannt sein, welche „Bearbeitungsgebühren“ oder „Notarkosten“ das SpaceX-Team als Nächstes aus dem Hut zaubert, um Hugos Millionen freizuschalten. Das Popcorn steht auf jeden Fall bereit – Update folgt, sobald die Herrschaften antworten!


Runde 2: Elon kopiert Wikipedia und will meine Handynummer

Es hat nicht lange gedauert, da flatterte auch schon die Antwort vom “Team Musk” ins Postfach. Und was soll ich sagen? Die Herrschaften lassen sich nicht lumpen. Um Hugos leise Zweifel an der Echtheit komplett zu zerstreuen, haben sie wohl kurzerhand den halben Wikipedia-Artikel über Elons Kindheit in Südafrika und die Smaragdminen seines Vaters in die E-Mail kopiert. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Dazu kommt die rührende Erklärung, dass Elon das alles nur tut, um das Vermächtnis von Nikola Tesla zu ehren. Ganz uneigennützig, versteht sich.

Hier ist die grandiose Rückmeldung auf Hugos Pott-Charme:

Elon Musk schreibt uns und will persönliche Daten

Guten Tag, herzliche Grüße vom Team Musk,

Wir haben den Eingang Ihrer E-Mail bestätigt. Diese E-Mail stammt von Elon Musk und seinem Team. Elon Reeve Musk ist Gründer, CEO und Chefingenieur von SpaceX, Investor in der Frühphase, CEO und Produktarchitekt von Tesla, Inc., Gründer von The Boring Company und Mitbegründer von Neuralink und OpenAI. Mit einem geschätzten Vermögen von 1,11 Billionen US-Dollar wird er voraussichtlich im Jahr 2026 der erste Mensch sein, der die Billionen-Dollar-Marke knackt.

Elon Reeve Musk wurde am 28. Juni 1971 in Pretoria, einem segregierten Vorort im Südafrika der Apartheid, geboren. Seine Mutter ist Maye Musk (geb. Haldeman), ein Model und Ernährungsberaterin, geboren in Saskatchewan, Kanada, aber aufgewachsen in Südafrika. Sein Vater ist Errol Musk, ein weißer südafrikanischer Elektromechaniker, Pilot, Segler, Berater und Immobilienentwickler, der einst die Hälfte eines sambischen Smaragds besaß.

Alle Teilnehmer wurden per Zufallsprinzip über ein computergestütztes Ziehungssystem aus über 100.000.000 Firmen- und Privat-E-Mail-Adressen im Internet ausgewählt. Ihr Gewinn ist mit Ihrer E-Mail-Adresse versichert und wird auf unser Auszahlungskonto überwiesen. Sie haben Aktien der Space Exploration Technologies Corp (SPCX) im Wert von ca. 4.199.990,25 USD (160,95 USD pro Aktie) gewonnen.

Ihre einzige Verpflichtung besteht darin, die Bank, die die Aktien verwahrt, zu kontaktieren und Ihr Konto dort als Begünstigten zu aktivieren. Gewinne können nur vom Inhaber der gültigen E-Mail-Adresse beansprucht werden. Bitte füllen Sie das unten angeforderte Kundeninformationsblatt (CIS) aus.

Um Ihnen die Auszahlung Ihres exklusiv für Sie gespendeten Gewinns (4.199.990,25 USD) zu erleichtern, bitten wir Sie, uns die folgenden Informationen zukommen zu lassen. Wir benötigen diese Informationen lediglich zur Identifizierung des Empfängers, da sie von unserem Finanzdienstleistungsunternehmen, das die Aktien verwahrt, für die Dokumentation verwendet werden.

Vollständiger Name:
Vollständige Adresse:
Mobiltelefonnummer:
Ihre WhatsApp-Nummer:
Bevorzugte E-Mail-Adresse:
Beruf:
Familienstand:
Geschlecht:
Alter:
Land:

Ich spende, um den Lebensstandard möglichst vieler Menschen zu verbessern und das Vermächtnis des serbisch-amerikanischen Erfinders Nikola Tesla und seine Beiträge zu unserem Alltag, einschließlich seiner zahlreichen Patente und Erfindungen, zu fördern.

Dies ermöglicht es uns, Ihren Gewinn zu bearbeiten. HINWEIS: Antworten Sie nicht, wenn Sie nicht der Inhaber dieser E-Mail-Adresse sind. Sie können sich darauf verlassen, dass diese E-Mail-Adresse echt ist. Wir gratulieren Ihnen nochmals herzlich zu Ihrem Gewinn. Bitte behandeln Sie Ihren Gewinn vertraulich, bis er bearbeitet und Ihnen überwiesen wurde, um zu verhindern, dass er an Betrüger gelangt. Um Ihren Geldpreis in Höhe von 4.199.990,25 $ zu erhalten, füllen Sie bitte dieses Formular aus.

Viele Grüße und viel Glück!
Elon Musk und Team

CEO und Chefingenieur bei SpaceX;

Besonders herrlich ist der letzte Satz: Ich soll die Sache vertraulich behandeln, damit der Gewinn nicht „an Betrüger gelangt“. Ein genialer Schachzug, um zu verhindern, dass das Opfer im Bekanntenkreis nachfragt und gewarnt wird.

Und das eigentliche Ziel des Datensammelns? Sie wollen Hugos WhatsApp-Nummer. Warum? Weil man Menschen auf dem Smartphone viel schneller und persönlicher unter Druck setzen kann, sobald es an die vermeintlichen „Aktivierungsgebühren“ der Bank geht.


Hugo liefert ab: Daten für den Weltraum-Milliardär

Da das „Team Musk“ so nett war, mir die komplette Familiengeschichte mitsamt südafrikanischen Smaragdminen aufzutischen, wollte ich natürlich nicht unhöflich sein. Hugo hat also pflichtbewusst in die Tasten gehauen. Schließlich muss man die Sache laut E-Mail absolut vertraulich behandeln – und Hugo hat verdammt gute Gründe, warum die Jungs vom Kiosk in Hamburg-Nord (wo er laut seinen neuen Fake-Daten jetzt wohnt) nichts von den 4 Millionen Dollar erfahren sollten.

Mensch Elon, danke für die ganze Familiengeschichte! Is ja Wahnsinn, wat dein Vadder da mit die Smaragde getrieben hat. Dat nenn ich mal ordentliche Maloche. Und dat du Nikola Tesla so ehrst, find ich auch dufte. Der Strom kommt schließlich bei uns auch aus der Wand.

Keine Sorge wegen der Vertraulichkeit. Ich halt hier in der Nachbarschaft absolut die Klappe. Wenn die Jungs am Kiosk spitzkriegen, dat ich bald 4 Millionen auf Tasche hab, schnorren die mich nur alle an. Dat bleibt schön unter uns beiden!

Hier sind die Daten für dein Finanzunternehmen, damit die Papiere fertiggemacht werden können:

XXXXXXX

Sacht Bescheid, wenn die Bank sich meldet. Ich steh Gewehr bei Fuß!

Glückauf,
Hugo

Um den Stein ins Rollen zu bringen, habe ich den Scammern ein paar wunderbare digitale Platzhalter-Daten spendiert. Mal sehen, ob die dubiose „Verwahrstelle“ der Aktien anbeißt. Ich habe ihnen Hugos wichtigsten Eckdaten als „Fahrer im Schichtdienst“ zukommen lassen – inklusive einer eigens dafür generierten Handynummer.

Jetzt liegt der Ball wieder in der Hälfte der Betrüger. In der Regel folgt als Nächstes die Kontaktaufnahme durch eine extrem schlecht gefälschte Bank-Website oder ein angeblicher Anwalt meldet sich per WhatsApp, um die „Aktivierungsgebühren“ für das Aktiendepot einzufordern.

Wir bleiben dran – die nächste Runde im Wanne-Eickel-Space-Programm ist eröffnet!


Das plötzliche Ende: Elon ist offline

Tja, was soll ich sagen? Die nächste Runde im Wanne-Eickel-Space-Programm fällt leider ins Wasser. Als ich nachschauen wollte, ob das „Team Musk“ schon die gefälschten Dokumente unserer neuen Fake-Bank parat hat, gab es beim Sendeversuch nur eine digitale Wand: Mail delivery failed.

Die für den Scam genutzte Gmail-Adresse wurde vom Provider stillgelegt. Wahrscheinlich haben die Filter von Google zugeschlagen oder ein paar andere „Gewinner“ haben den Braten gerochen und das Konto korrekterweise direkt als Phishing/Spam gemeldet. Das geht bei diesen billigen Gratis-Adressen meistens glücklicherweise recht fix.

Fazit: Die Anatomie des Vorschussbetrugs

Auch wenn die Reise hier abrupt endet, war diese E-Mail ein Paradebeispiel für die klassische Vorschussbetrug-Masche (Advance Fee Fraud). Die Betrüger nutzen dabei immer dieselbe psychologische Trickkiste:

  • Die Autoritäts- und Promi-Masche: Es wird der Name einer weltbekannten, extrem reichen Persönlichkeit missbraucht, um maximale Aufmerksamkeit zu generieren.
  • Die künstliche Professionalität: Durch das plumpe Kopieren von Wikipedia-Fakten soll dem Opfer eine historische “Echtheit” vorgegaukelt werden.
  • Das Abschirmen des Opfers: Der dringliche Hinweis, den Gewinn absolut vertraulich zu behandeln, dient nur einem Zweck: Das Opfer soll mit niemandem darüber sprechen, damit Familie oder Freunde die Sache nicht sofort als Betrug entlarven.
  • Die Kanal-Verlagerung: Die gierige Abfrage der WhatsApp-Nummer dient dazu, das Opfer aus dem per Filter geschützten E-Mail-Postfach in einen privaten Chat zu ziehen, wo man mittels Social Engineering (und gefälschten Belegen einer Fake-Bank) viel direkter psychologischen Druck aufbauen kann.

Das goldene Gesetz des Internets bleibt: Wenn dir der reichste Mensch der Welt völlig ohne Grund über eine kostenlose Gmail-Adresse 4 Millionen Dollar schenken will, dann klick nicht auf Antworten. Löschen, als Spam markieren und weitergehen.

Außer natürlich, euer Name ist Hugo, ihr kommt aus dem Ruhrpott und wolltet dem “Milliardär” einfach mal ordentlich die Zeit stehlen! 😉

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