Lotto-Millionär verschenkt 2,5 Millionen Euro? Die Masche mit Tayeb Souami

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Wer träumt nicht davon? Man öffnet morgens sein E-Mail-Postfach und erfährt, dass ein großzügiger US-Multimillionär mal eben 2,5 Millionen Euro auf das eigene Konto schaufeln möchte. Doch hinter der vermeintlichen Spende von „Herrn Tayeb Souami“ steckt eine altbekannte Betrugsmasche.

Die E-Mail von tsouami888@gmail.com

Man muss den Jungs und Mädels aus der Vorschussbetrug-Zentrale ja eines lassen: Sie halten ihre Nachrichten angenehm kurz. Keine epischen Romane mehr über sterbende Prinzen oder geheime Goldminen in Westafrika. Stattdessen gibt es die digitale Version des Holzhammers.

Unsere E-Mail-Adresse war also „erfolgreich“ – bei was auch immer – und deshalb schickt uns ein Fremder mal eben ein paar Millionen. Dass ein echter dreifacher Multimillionär seine Wohltätigkeitsimperien über eine kostenlose Gmail-Adresse (tsouami888@gmail.com) steuert, klingt natürlich absolut plausibel. Wer braucht schon Stiftungen oder Notare, wenn man ein Google-Konto hat?

Hier ist das gute Stück in voller Pracht:

Hallo,

ich bin Tayeb Souami. Sie haben eine Spende in Höhe von 2.500.000,00 € erhalten. Ich habe am 19. Mai 2018 im Powerball-Lotto 315,3 Millionen US-Dollar gewonnen und spende einen Teil des Geldes an fünf glückliche Gewinner und zehn Wohltätigkeitsorganisationen. Ihre E-Mail war erfolgreich.

Bitte kontaktieren Sie mich dringend unter meiner E-Mail-Adresse: tsouami888@gmail.com, um Ihren Gewinn geltend zu machen.

Herr Tayeb Souami

Der echte Tayeb Souami

Das Perfide an dieser Mail ist, dass die Kernstory tatsächlich stimmt. Die Betrüger bedienen sich hier einer echten Identität, um bei einer schnellen Google-Suche des Opfers Seriosität vorzugaukeln.

Den echten Tayeb Souami gibt es wirklich und er hat im Mai 2018 in den USA tatsächlich den Powerball-Jackpot geknackt. Die Geschichte dahinter ist sogar ziemlich kurios: Souami ging damals in den Supermarkt, um eine Flasche Orangensaft für 5 Dollar zu kaufen. Seine Frau fand den Saft jedoch zu teuer und bat ihn, ihn umzutauschen. Von den gutgeschriebenen 5 Dollar kaufte er zwei Lottoscheine – und einer davon brachte ihm den Mega-Gewinn ein.

Scammer lieben solche herzerwärmenden Geschichten, die durch die Weltpresse gingen. Sie nutzen die Namen realer Gewinner, weil sie wissen, dass misstrauische Empfänger nach dem Namen suchen werden. Findet das Opfer dann echte Zeitungsartikel über den Gewinn, schwindet die Skepsis.

Was in der Realität natürlich nie passiert: Dass ein Lottogewinner wahllos Spam-Mails an deutsche E-Mail-Adressen verschickt, um Millionen zu verschenken. Wer hier antwortet, landet direkt in der Vorschusskosten-Falle. Plötzlich müssen dann „Gebühren“, „Steuern“ oder „Notarkosten“ per Krypto, Steam-Gutschein oder Auslandsüberweisung bezahlt werden, um das Geld freizugeben. Gesehen hat diese Millionen natürlich noch nie jemand.

Deshalb gilt wie immer: Nicht antworten, nicht ärgern, direkt ab in den Spam-Ordner damit.


Der Selbstversuch: Hugo aus Wanne-Eickel schlägt zurück

Da wir solche Mails natürlich nicht einfach unkommentiert im Spam-Ordner verrotten lassen können, haben wir den Spieß umgedreht. Für das folgende Experiment schlüpfen wir in die Rolle von Hugo aus Wanne-Eickel – seines Zeichens leidenschaftlicher Autofan, stolzes Mitglied im lokalen Dackelverein und gesegnet mit einer gehörigen Portion liebenswerter Naivität. Hugo hat jedenfalls schon große Pläne für die Millionen:

Hallo Herr Souami,

Mensch, das ist ja ein Ding! Da saß ich gerade beim Clubabend vom Dackelverein e.V. Wanne-Eickel (ich bin da 2. Kassenwart) und trinke mein Bierchen, da ploppt Ihre Mail auf. 2,5 Millionen Euro? Das trifft sich absolut super!

Mein 3er BMW (E46, top gepflegt, Mitglied im BMW-Club Ruhrpott!) braucht nämlich dringend neue Alufelgen und eine neue Auspuffanlage, das scheppert beim Anfahren schon ganz schön. Und die Dackelhütte vom Verein müsste auch mal neu gedeckt werden. Da kommt Ihre Spende wie gerufen. Dat ist ja wie Weihnachten und Ostern zusammen!

Wie machen wir dat jetzt mit der Kohle? Bringen Sie das bar vorbei oder soll ich Ihnen meine Kontonummer schicken? Sagen Sie einfach Bescheid, was Sie brauchen, damit der Gewinn schnell auf Achse ist.

Glückauf und waidmannsheil,

Ihr Hugo aus Wanne-Eickel

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