Hallo Freund, ich bin Banker und hab da mal eben 10,5 Millionen übrig.

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Hallo Freund, ich bin Banker und hab da mal eben 10,5 Millionen übrig.

Eine E-Mail, wie sie klassischer kaum sein könnte: Ein angeblicher Banker meldet sich ganz freundschaftlich und bietet 10,5 Millionen US-Dollar an – völlig risikolos natürlich. Warum solche Mails seit Jahrzehnten im Umlauf sind, welche Tricks dahinterstecken und weshalb man spätestens bei „Hello Friend“ hellhörig werden sollte, zeigt dieser Artikel. 💸🕵️‍♂️

Die E-Mail von: williamspark900@outlook.com

Ein „Banker by profession“, der Millionen-Deals über ein Outlook-Freemailkonto abwickelt – mehr Seriosität geht kaum. Los geht’s mit dem Klassiker „Hello Friend“, denn wer braucht schon Namen oder Anreden, wenn man direkt befreundet ist?

Die Story selbst ist Vintage-Scam: Beim Jahresabschluss fällt plötzlich auf, dass die eigene Filiale seit 2010 unbemerkt 10,5 Millionen Dollar erwirtschaftet hat. Revision? Controlling? Offenbar seit 15 Jahren im Tiefschlaf.

Das Geld liegt natürlich auf einem geheimnisvollen „Suspense Account“, und weil der arme Banker da leider nicht selbst ran darf, sollen wir kurz lügen, uns als Kunde ausgeben – und kassieren dafür 30 %. Fürs Nichtstun. Völlig risikolos, versteht sich.

Hello Friend,

How are you? I know that this message might meet you in utmost surprise however, it’s just my urgent need for a foreign partner that made me contact you for this transaction, My name is Mr. Williams Park, I am a banker by profession and I have packaged a financial transaction that will benefit both of us, as an officer in my Bank; it is my duty to send in a financial report to my Head Office at the end of each business year.

On the course of last fifteen years 2010 business report, I discovered that my branch in which I am rank officer made Ten Million Five hundred Thousand United State Dollars ($10,500.000.00) which my Head Office are not aware of and will never be aware of it. I have placed this fund on suspense account with no beneficiary. As an officer of this bank i cannot be directly connected to this money, this informed my contacting you. Indeed I will appreciate if you can receive this money in your bank account and get 30% of the total funds. The re are practically no risks involved, it is simple bank to bank transfer, all I need from you is to stand claim as one of our customer who has been banking with us and the depositor of this funds with my branch, so that upon your request for its immediate transfer my head Office will not hesitate to transfer to your designated bank account.

I will give you more details once I hear from you declaring your interest to cooperate with me.

Yours Sincerely,

Mr. Williams Park

Fazit: Kein Bankname, kein Land, kein Vertrag – aber Millionen. Ein Scam-Klassiker, wie er im Lehrbuch steht. 💸

Hugos erste Antwort

Natürlich antwortet Hugo erst mal vorsichtig – und vor allem ehrlich. Englisch ist nicht seine Stärke, Banker ist er auch keiner, und warum ausgerechnet er plötzlich für ein Millionen-Bankgeschäft auserwählt wurde, bleibt komplett offen.

hello mr williams,

sorry my english not very good, i am from germany.
i not really understand what you mean.

you write something about money and bank and 10,5 million dollar?
why you write to me and what i have to do exactly?

i am not banker and i never was customer in your bank i think.
can you explain more simple please?

thanks
hugo

Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten, brav übersetzen die Scammer die E-Mail mit einem Übersetzungsdienst.

Hugo versteht die Geschichte jetzt zwar auf Deutsch, aber sie wird dadurch nicht glaubwürdiger – im Gegenteil. Statt Euphorie gibt es einfache Rückfragen: Welche Bank? Welches Land? Und warum sollte man sich absichtlich als jemand ausgeben, der man nicht ist? Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem Scammer meist nervös werden – oder plötzlich von „kleinen Gebühren“ sprechen!

Hugo schaltet den Wanne-Eickel-Modus ein

Nach der höflichen Übersetzung ist Schluss mit internationalem Banker-Englisch. Jetzt meldet sich Hugo aus Wanne-Eickel – bodenständig, skeptisch und mit gesundem Misstrauen. Keine Fachbegriffe, keine großen Zusagen, sondern einfache Fragen: Wie heißt die Bank? In welchem Land? Und gibt es irgendetwas Schriftliches, das mehr ist als eine nette E-Mail?

Unterstützung bekommt Hugo vom BMW-Club und sogar vom Dackel-Club – beide einig: Erst prüfen, dann reden. Genau an diesem Punkt wird es für Scammer oft unangenehm. Denn wer echtes Geld verwaltet, kann auch echte Namen, Orte und Dokumente liefern. Wer das nicht kann, fängt meist an auszuweichen.

hallo herr park,

also ich sag mal so: ich bin hugo aus wanne-eickel, kein banker und auch kein professor. englisch kann ich nich so, deswegen lieber deutsch.

ich hab mir das mit den 10,5 millionen jetzt durchgelesen, aber ganz ehrlich: klingt alles bisschen wild. ich soll mich als kunde ausgeben, obwohl ich nie bei ihrer bank war – da krieg ich direkt bauchschmerzen. ich hab kein bock auf ärger mit bank oder polizei.

ich hab das gestern beim bmw-club und auch im dackel-club erzählt (der dackel hat übrigens gekotzt, so unglaubwürdig fand der das), und alle meinten: erst mal vorsichtig sein.

bevor ich hier irgendwas zusage:

wie heißt ihre bank genau?
in welchem land ist die bank?
gibt es irgendwas offizielles, dokument, schreiben, irgendwas mit stempel oder so?

ich bin einfacher typ, trink gern bier und fahr bmw, aber ich lass mich nich verarschen.
wenn das alles sauber ist, kann man weiterreden. wenn nich, dann eher nich.

gruß
hugo aus wanne-eickel 🐶🍺🚗

Der angebliche Banker erklärt erneut, dass es sich um eine völlig harmlose Banküberweisung handelt. Zur Beruhigung wird gleich mehrfach betont, wie gottesfürchtig man sei und dass absolut kein Risiko bestehe – ein Satz, der erfahrungsgemäß immer dann fällt, wenn das Risiko astronomisch hoch ist.

Die Geschichte wird weiter ausgeschmückt: Überschüssige Gewinne aus 2010, seit 15 Jahren unauffällig geparkt, keine Spuren mehr vorhanden (praktisch!), jetzt plötzlich der perfekte Moment, das Geld „zu unserem beiderseitigen Vorteil“ zu verschieben. Natürlich streng vertraulich – niemand darf davon erfahren, was bei legalen Bankgeschäften ja völlig normal ist.

Im nächsten Schritt sollen wir dann bitte einmal den kompletten Identitätsbaukasten liefern: Name, Adresse, Beruf, Telefonnummer und am besten direkt noch eine Passkopie. Alles angeblich nur für die „Computerdatenbank“ der Filiale. Welche Bank? Welches Land? Weiterhin egal.

Bonus-Plot: Nach der erfolgreichen Überweisung geht der Banker in Rente und reist persönlich an, um seinen Anteil abzuholen. Und wenn wir schon dabei sind, können wir ihm ja gleich noch eine lukrative Geschäftsidee liefern.

Hallo Herr Hugo,

Wie geht es Ihnen? Ich möchte mich für Ihre Antwort bedanken. Ich habe mich sehr über Ihre E-Mail gefreut.

Bezüglich Ihrer E-Mail möchte ich Ihnen mitteilen, dass es sich um eine Banküberweisung handelt. Ich habe Sie kontaktiert, damit wir gemeinsam und in voller Zusammenarbeit die Freigabe der Gelder auf Ihren Namen veranlassen können. Ich bin ein gottesfürchtiger Mensch und möchte Sie versichern, dass ich mich nicht an illegalen Aktivitäten beteiligen werde. Um Ihnen die Herkunft der Gelder näher zu erläutern: Es handelt sich um überschüssige Gewinne aus dem Jahr 2010, die sich im Abschlussbilanz meiner Bank vor fünfzehn Jahren befanden. Ich habe diese Gelder bis heute auf einem Treuhandkonto ohne Begünstigten verwahrt. Da seit der Einzahlung der Gelder auf mein Konto keine Spuren mehr vorhanden waren, habe ich beschlossen, die Gelder zu unserem beiderseitigen Vorteil zu transferieren, indem ich Sie als rechtmäßigen Begünstigten einsetze. Ich möchte Sie darüber informieren, dass die Transaktion professionell vorbereitet wurde, um uns beiden zugutezukommen. Es besteht absolut kein Risiko. Alles, was ich von Ihnen benötige, ist Ihre maximale Kooperation, um eine reibungslose Überweisung der Gelder auf Ihr Konto zu gewährleisten. Sie dürfen dieses Geschäft mit keiner anderen Partei besprechen, verstanden?

Ich möchte, dass Sie verstehen, dass ich nach erfolgreichem Abschluss dieser Überweisung meinen Rentenantrag einreichen werde und sobald dieser genehmigt ist, in Ihr Land reisen werde, um meinen Anteil am Geld abzuholen.

Ich benötige lediglich die folgenden Informationen, um mit der Bearbeitung der Überweisung zu beginnen:

  1. Vollständiger Name:
  2. Beruf:
  3. Alter:
  4. Telefonnummer/Faxnummer:
  5. Ihr Herkunftsland:
  6. Kontaktadresse
  7. Kopie des Reisepasses oder eines gültigen Ausweises

Alle oben genannten Informationen werden in unserer Computerdatenbank in meiner Filiale als Daten eines ausländischen Investors, der die Gelder in meiner Filiale eingezahlt hat, gespeichert. Die Bearbeitung der Überweisung beginnt, sobald Ihre Daten in unserer Computerdatenbank erfasst sind. Ich werde Sie während des gesamten Transaktionsprozesses begleiten, es besteht kein Risiko. Ich beabsichtige außerdem, einen Teil meines Geldes in eine profitable Investition in Ihrem Land zu investieren. Haben Sie vielleicht eine gute Idee für ein lukratives Geschäftsvorhaben?

Ich wünsche Ihnen alles Gute und erwarte Ihre baldige Antwort.

Vielen Dank und freundliche Grüße,
Mr. Park

Kontrolliertes Entgegenkommen – aber mit Handbremse

Hugo zeigt sich kooperativ, aber nicht naiv. Ein paar harmlose Basisdaten gibt es, gerade genug, um den Kontakt am Leben zu halten – ohne Telefonnummer, ohne Ausweis, ohne sensible Dokumente. Die Begründung ist simpel und nachvollziehbar: Sicherheit zuerst. Wer ein legales Bankgeschäft anbietet, sollte auch in der Lage sein, schriftliche Nachweise, einen Banknamen und offizielle Unterlagen zu liefern. Jetzt liegt der Ball beim „Banker“. Erfahrungsgemäß ist genau das der Moment, in dem entweder gefälschte Dokumente auftauchen – oder plötzlich doch alles ganz schnell gehen soll.

hallo herr park,

ok, ich will nicht unhöflich sein und zeige guten willen, aber aus sicherheitsgründen gehe ich langsam vor.

hier die infos, die ich im moment geben kann:

vollständiger name:
hugo scholz

beruf:
lagerarbeiter / fahrer

alter:
52

telefonnummer / fax:
im moment nicht. ich gebe keine telefonnummer raus, solange nichts schriftliches vorliegt.

herkunftsland:
deutschland

kontaktadresse:
wanne-eickel, nordrhein-westfalen, deutschland

ausweis oder passkopie schicke ich noch nicht.
das ist mir zu sensibel für eine e-mail. da müssen sie mir zuerst etwas schriftliches schicken, wo klar steht:

name der bank

land der bank

und ein offizielles dokument oder schreiben

wenn das passt, kann man über weitere schritte reden.
ich hoffe sie verstehen, sicherheit geht vor.

gruß
hugo aus wanne-eickel 🍺🚗🐶

„Vertrauen gegen Daten“ – jetzt wird Druck gemacht

Die Antwort fällt auffallend kurz aus. Statt Belegen, Dokumenten oder auch nur einem konkreten Banknamen gibt es vor allem eines: Druck. Ohne vollständige Daten könne man nicht weitermachen, Vertrauen sei die Voraussetzung – gemeint ist damit natürlich einseitiges Vertrauen. Neu ist lediglich die vage Information, die Bank sitze „in den USA“. Welche Bank genau, welche Stadt, welche Filiale? Weiterhin Fehlanzeige. Klassisches Muster: Je mehr Fragen gestellt werden, desto knapper und ausweichender werden die Antworten – während der Fokus konsequent auf der Herausgabe persönlicher Daten liegt.

Hallo Herr Hugo,

vielen Dank für die Informationen. Wie ich bereits erwähnt habe, kann die Geschäftsabwicklung ohne Ihre vollständigen Daten nicht fortgesetzt werden. Ohne Vertrauen kann dieses Geschäft nicht erfolgreich sein. Die Bank, die diese Transaktion abwickelt, hat ihren Sitz in den USA.

Das ist alles, was ich Ihnen im Moment mitteilen kann. Wenn Sie wirklich an diesem Geschäft interessiert sind, senden Sie mir bitte die restlichen Daten, die ich von Ihnen angefordert habe, damit wir den Prozess beginnen können.

Ich freue mich, bald von Ihnen zu hören.

Vielen Dank und freundliche Grüße,
Herr Park

Das Ultimatum – ohne Belege kein Kontakt mehr

An diesem Punkt ist für Hugo Schluss mit lustig. Vertrauen ohne Gegenleistung gibt es nicht, schon gar nicht bei angeblichen Millionen-Überweisungen. Die Forderung nach immer mehr persönlichen Daten steht weiterhin im Raum, während von der anderen Seite kein einziges schriftliches Dokument geliefert wird – nicht einmal ein Bankname. Also folgt das Ultimatum: Entweder es kommen endlich nachprüfbare Unterlagen, oder der Kontakt endet hier. Denn eines ist klar: Hugo mag aus Wanne-Eickel kommen, aber doof ist er nicht.

Hallo Herr Park,

ich mache es jetzt ganz klar.

Ohne schriftlichen Nachweis, Dokumente, einen Banknamen oder irgendetwas Offizielles
gibt es von mir keine weiteren Daten.
Kein Ausweis, keine Telefonnummer, gar nichts.

Wenn Sie wirklich seriös sind, schicken Sie mir zuerst etwas Schriftliches.
Wenn nicht, dann war es das und ich melde mich nicht mehr.

Ich habe heute Weihnachtsfeier vom BMW-Club und ehrlich gesagt keine Zeit für Faxen.

Gruß
Hugo aus Wanne-Eickel 🍺🚗🎄


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