Investigativ: Feyza Olcay Ýbrahim - wer steckt hinter dem Scam?
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Im digitalen Zeitalter hinterlassen Betrüger oft Spuren, ohne es zu merken. Genau das ist bei einem aktuellen Scam-Fall passiert, bei dem eine angebliche “Feyza Olcay Ýbrahim” involviert war.
Der Scam war einer der ersten hier im Blog und hat sich über eine längere Zeit gezogen. E-Mails, Dokumente, verschiedene Kontakte, Anwälte und am Ende sogar lange WhatsApp-Nachrichten. Ausdauer haben die Scammer, dass muss man ihnen lassen.
Aber auch Scammer machen Fehler. Ein oft gemachter Fehler ist es, in den Dokumenten die Meta-Daten nicht zu entfernen. So fügt Word standardmäßig Informationen zum Autor oder der Version in das Dokument und auch in das fertige PDF ein.
Wie funktioniert der Scam?
Der Betrug folgt einem klassischen Muster, bei dem mehrere angebliche Kontaktpersonen involviert sind, um dem Ganzen einen seriösen Anstrich zu verleihen.
Alles beginnt mit einer kranken Frau, die den ersten Kontakt herstellt. Sie behauptet, Millionen zu verschenken – ein letztes Vermächtnis, bevor sie angeblich stirbt.
Wer auf das Angebot eingeht, bekommt bald Post von einer Bank, die den angeblichen Vermögensübertrag regeln soll. Kurz darauf tritt ein Anwalt auf den Plan, der sich um die Formalitäten kümmert. Doch hier liegt die Falle:
Damit alles „offiziell“ abgewickelt werden kann, fallen Gebühren an – und zwar nicht zu knapp. Diese müssen natürlich im Voraus gezahlt werden. Sobald das Geld überwiesen ist, reißen die Kontaktpersonen plötzlich ab, und das versprochene Millionenvermögen bleibt eine Illusion.
Dokumente und Metadaten, Jetride und Truth Egbele
PDF-Dokumente sind besonders interessant für die Analyse, da sie oft wertvolle Metadaten enthalten. In diesem Fall zeigen die Metadaten, dass die Dokumente bereits im Jahr 2023 erstellt wurden – ein Hinweis darauf, dass der Scam schon seit einiger Zeit aktiv ist. Zur Erstellung wurde Corel Draw verwendet. Auffällig ist der als Autor eingetragene Name: “Jetride”.
Eine erste Google-Suche nach Jetride führt hauptsächlich zu kleinen Speedbooten – also scheinbar keine direkte Verbindung zum Scam. Doch ein weiteres Dokument liefert eine neue Spur: In einem angeblichen Totenschein taucht ein anderer Name auf – “Truth Egbele”.
Damit haben wir bereits zwei potenzielle Hinweise. Auch wenn Truth Edbele zunächst wie ein Fantasiename wirkt, könnte sich dahinter eine echte Verbindung zum Betrug verbergen.
Wir suchen und finden auf LinkedIn
Geben wir beide Namen in Google ein, stoßen wir schnell auf eine passende Person. Truth Egbele ist tatsächlich auf LinkedIn zu finden – und interessant ist, dass er dort als Firmenname “JetRide” angibt. Dies bestätigt die Verbindung zwischen den beiden Namen und gibt einen klaren Hinweis auf die Hintergründe des Betrugs.
Auffällig ist zudem, dass Truth Edbele aus Nigeria stammt – was ein bekanntes Muster solcher Betrugsmaschen bestätigt. Diese Art von Betrug wird nicht ohne Grund als "Nigeria Scam" bezeichnet.
Schauen wir uns den Lebenslauf von Truth Egbele an, wird schnell klar: Der gute Mann ist seit über sieben Jahren selbstständig und bezeichnet sich als vielseitigen Entwickler, Animator und Gründer von JetRide. Laut eigener Aussage kombiniert er Kreativität mit technischer Expertise und einem unternehmerischen Blick für digitale Lösungen.
Interessant ist seine Selbstbeschreibung auf LinkedIn:
„Ich habe die Entwicklung immersiver digitaler Erlebnisse vorangetrieben, die das Publikum fesseln und das Engagement steigern. Von der Programmierung bis zum Erzählen fesselnder Geschichten arbeite ich an der Schnittstelle von Technologie und Innovation.“
Zu seinen Top-Fähigkeiten gehören unter anderem WordPress, Laravel, Flutter, Webdesign und Produktmanagement. Zudem bietet er Dienstleistungen im Bereich Software- und App-Entwicklung sowie Webdesign an.
Ach ja – seinen Geburtstag hat er am 24. Dezember, falls jemand ihm gratulieren möchte. 🎄
Die JetRide-App – Ein Geisterprojekt?
Die JetRide-App selbst scheint nicht aktiv zu sein – die offizielle Website befindet sich noch immer im Status “Under Construction”, und im Internet lassen sich kaum weiterführende Informationen dazu finden.
Im Google Play Store existiert eine App mit demselben Namen, die zuletzt im Jahr 2023 aktualisiert wurde – dem gleichen Jahr, in dem auch die fragwürdigen Dokumente erstellt wurden. Mit 5.000 Downloads könnte man von einer gewissen Reichweite sprechen, doch eine florierende Anwendung sieht anders aus.
Auch die Instagram-Seite des Projekts wurde zuletzt 2022 aktualisiert – danach herrscht Funkstille.
Möglicherweise sah sich der Herr gezwungen, alternative Einnahmequellen zu erschließen…
Die Firmenanschrift – Google Maps liefert Antworten
Natürlich werfen wir auch einen Blick auf den Firmennamen in Google Maps – und siehe da, eine Firmenanschrift taucht tatsächlich auf. Dank Street View können wir uns sogar das dazugehörige Gebäude ansehen.
Ob es sich dabei um ein echtes Geschäftszentrum oder nur eine Tarnadresse handelt?
Fazit – Wenn Betrüger Spuren hinterlassen
Dieser Fall zeigt eindrucksvoll, dass Betrüger oft unbeabsichtigt Spuren hinterlassen – sei es in Metadaten von Dokumenten, in halbfertigen Webauftritten oder durch soziale Netzwerke wie LinkedIn. Durch eine gezielte Recherche konnten wir Namen, Verbindungen und sogar eine Firmenadresse ausfindig machen.
Besonders interessant ist, dass selbst technisch versierte Personen, die sich als Entwickler oder Unternehmer präsentieren, auf zusätzliche Einkommensquellen angewiesen sind, wenn ihre legitimen Projekte nicht erfolgreich sind.
Die JetRide-App scheint keine große Zukunft zu haben, und die mangelnde Aktivität auf Social Media deutet darauf hin, dass die eigentlichen Einnahmen wohl aus anderen Quellen stammen.
Wer auf ungewöhnliche Dokumente oder dubiose Geschäftsangebote stößt, sollte immer hinter die Fassade blicken. Denn wie dieser Fall zeigt: Die Wahrheit liegt oft nur eine Google-Suche entfernt.
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